Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Entwicklung des Glücksspiels in Deutschland und Großbritannien

Martin Hill, 29. Dezember 2017, Wirtschaft

Glücksspiel Studie (Bildquelle)

Innerhalb von Deutschland wird das Thema Glücksspiel in der Politik kontrovers diskutiert. Sollen weitere Sportwetten-Konzessionen vergeben werden? Warum sind Online-Casinos und Poker per Gesetz strikt untersagt? Und wohin mit neueren Konzepten, wie dem Fantasy Football? Seit Jahren stagniert die Gesetzgebung. Die Grauzone ist groß. In Großbritannien hat man 2005 den Schritt gewagt und den Gambling Act zur Umsetzung gebracht.

In diesem Sinne ist es von Interesse, die Statistiken mit Bezug zum Glücksspiel zu vergleichen. Im Fokus stehen der Markt in Deutschland und Großbritannien. Die Statistiken selber hat der Handelsblatt Research sehr umfassend aufbereitet. Wir konzentrieren uns auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den deutschen und britannischen Glücksspiel-Statistiken.

Glücksspiel in Deutschland: Eine Entwicklung in Zahlen

Bevor wir die Sicht auf die Bundesrepublik eingrenzen, möchten wir die Europäische Union ins Spiel bringen. Von 2006 bis 2015 stieg das Gesamtvolumen auf dem Glücksspielmarkt von 70,88 auf 85,73 Milliarden Euro an. Der prozentuale Anteil, der auf das Online-Glücksspiel fällt, erhöhte sich von 6 auf 15,3 Prozent. Sportwetten nehmen mit 33,6 Prozent den größten Anteil ein, noch vor den Casinos mit 21,4, Poker mit 16,7 und staatlichen Lotterien mit 14,2 Prozent.

Kommen wir nun direkt zum deutschen Glücksspielmarkt. Die gesamten Bruttospielbeträge beliefen sich 2013 auf 11,2 Milliarden Euro. Bis ins Jahr 2015 war dieser Wert bereits auf 12,7 Milliarden Euro angewachsen. Der Online-Ertrag steigert sich von 1,5 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro. Interessant ist in diesem  Zusammenhang insbesondere die Statistik der Bruttospielerträge im nicht-regulierten Online-Markt. Damit sind die Wettbewerber gemeint, die laut Gesetz in Deutschland gar nicht agieren dürften oder aber die keine gültige Konzession für ihre Dienstleistung vorweisen können. Da die Online-Casinos überhaupt nicht bedacht sind, stellen sie in dieser Fakten-Analyse den größten Wert dar. 1,165 Milliarden Euro verfallen in diesen Graubereich. Es folgen die Sportwetten mit 294 Millionen Euro, vor den Zweitlotterien mit 246 Millionen Euro und Poker mit 123 Millionen Euro. Allerdings zeigt die Rückschau auf vergangene Jahre auch, wie sehr sich das Interesse an Casino-Spielen gesteigert hat. Waren es 2013 noch 687 Millionen Euro Bruttospielerträge im nicht-regulierten Online-Markt, so sind es 2015 bereit 1,165 Milliarden Euro gewesen.

In Deutschland sind die Casinos bei den Bruttospielerträgen, online und offline, sowie im regulierten und nicht regulierten Markt mit 54,8 Prozent an der Spitze zu finden. Die Sportwetten stehen hingegen mit 13,8 Prozent noch hinter den staatlichen Lotterien mit 14,1 Prozent zurück. Zweitlotterien nehmen hierbei 11,6 Prozent und Poker 5,8 Prozent ein.

Quellenangaben: Der Handelsblatt Research gibt bei den meisten Statistiken zum deutschen Glücksspiel die Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder an.

Glücksspiel in Großbritannien: Das Vereinigte Königreich als Vorreiter?

Wie entwickelt sich das Glücksspiel in Großbritannien (Bildquelle)

In Großbritannien gehört Glücksspiel gewissermaßen zum guten Ton. Dies hat die Regierung unterstützt, indem 2005 der Gambling Act erlassen wurde. Die Umsetzung erfolgt durch die Gambling Commission. Im Jahre 2014 wurde das Gesetz durch den Gambling Licensing und Advertising Act erweitert. Gerade bei den Online-Glücksspielen gab es umfassende Anpassungen. Diesbezüglich wird inzwischen eine Lizenz in Großbritannien benötigt, selbst wenn der Anbieter im Ausland sitzt. Weiterhin müssen die Unternehmen 15 Prozent ihres Gewinns als Online-Spielabgabe zu entrichten. Wenngleich die Anbieter Einschnitte machen müssen, können sie in einem festgelegten, gesetzlichen Rahmen agieren – anders als derzeit in Deutschland.

Es kommt wenig überraschend, dass sich die Gesetzeslage in Großbritannien auf das Glücksspiel maßgeblich ausgewirkt hat. Die Bruttospielerträge sind vom Jahr 2009 bis 2016 von 8,1 Milliarden auf 13,8 Milliarden britische Pfund (9,1 Milliarden auf 16,8 Milliarden Euro) angestiegen. Beeindruckender ist der Aufschwung beim Online-Glücksspiel, welcher im gleichen zeitrahmen eine Entwicklung von 800 Millionen auf bis zu 4,4 Milliarden britische Pfund durchlaufen haben. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass der Glücksspiel-Markt in Großbritannien um das 1,3-fache größer ist als in der Bundesrepublik. Und dass obwohl das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland überlegen ist.

Zu beachten ist insbesondere, dass mit der Verabschiedung des Gambling Licensing and Advertising Acts in 2014 eine enorme Verlagerung ins Online-Business stattgefunden hat. Zuvor fand der Aufschwung nur marginal statt. Von 2014 zu 2015 und von 2015 bis 2016 haben sich die Werte jedoch jeweils verdoppelt. Inzwischen liegt das Online-Glücksspiel bei über 32 Prozentpunkten (Casinos, Sportwetten und Bingo) und hat die stationären Wetten mit 24,6 Prozent überholt. Allein im britischen Online-Glücksspielmarkt haben die Casinos am stärksten profitiert. Im Jahr 2016 hat sich dieser Sektor mit fast 3 Milliarden Euro als stärkster Bereich entpuppt. Der Marktanteil hat die 50-Prozent-Hürde geknackt, wohingegen dieser wenige Jahre vorher keine fünf Prozent betrug.

Die konkrete Gesetzgebung hat auch dazu geführt, dass die Anzahl der vergebenen Lizenzen sich verdreifacht hat. Bei den Wetten ist vom März 2014 zum gleichen Monat in 2015 ein Anstieg von 143 auf 262 Konzessionen zu erkennen. Bei Gambling Software stieg die Zahl von 90 auf 212 und beim Casino von 27 auf 178 Lizenzen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Unternehmen 15 Prozent auf ihre Gewinne als Abgabe zu entrichten haben.

Blick nach Dänemark: Die Dänen wandeln auf den Füßen der Briten. Auch dort gab es die Umsetzung eines konkreten rechtlichen Rahmens, welcher zu einer Verschiebung zwischen dem stationären und Online-Glücksspiel geführt hat, gleichwohl die Bruttospielerträge anstiegen ließ. Zudem müssen die Unternehmen in Dänemark sogar 20 Prozent abgeben.

Entwicklung des Glücksspiels in Deutschland und Großbritannien 300 250 2017-12-21 16:06:23 Online-Casino.de

Weitere Casino News