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Fanvereinigung „Unsere Kurve“ verlangt striktere Sportwetten Regeln

Ralf Schneider, 19. Januar 2022, Sport & Spiel

Gehört Sportwetten-Werbung eingeschränkt? / Shutterstock.com

Wenn es nach der Fanvereinigung „Unsere Kurve e. V.“ geht, sollten Sportwetten in Deutschland nur unter größeren Auflagen erlaubt sein. Besonders das Werbe-Bombardement während des Fußballs ist der Vereinigung ein Dorn im Auge. Selbst neutrale Fans ärgern sich mitunter über das starke Angebot an Clips aus dieser Branche. Denn mitunter besteht die Halbzeitwerbung während der Konferenz der 1. Bundesliga am Samstag zu über 50 Prozent aus Sportwetten Reklame. „Wir fordern die Politik auf, Werbung für Sportwetten im öffentlichen Raum umgehend stärker zu reglementieren sowie intensive Aufklärung und Prävention zu betreiben“, so „Unsere Kurve e. V.“

Andererseits ist es nachzuvollziehen, dass die Unternehmen aus der Wettbranche sich diese begehrten Werbeplätze sichern möchten. Innerhalb der Saison 20/21 erreichte der Pay-TV-Sender Sky nach eigenen Angaben rund 4,7 Millionen Zuschauer je Spieltag. Diese Reichweite ist enorm. Und für die Werbenden ist es genau die Zielgruppe. Sky und andere Sport-Streamer haben wiederum ein hohes Interesse an den Werbeeinnahmen. Denn diese sind nach den Abos die größte Einnahmequelle. Würden hochkarätige Werbepartner wegfallen, könnte sich dies aus Kundensicht negativ auf die Abo-Preise auswirken. Außerdem findet sich die Werbung nicht nur in der Halbzeitpause wieder, sondern ebenso auf den Trikots der Spieler und auf den Banden der Clubs.

„Unsere Kurve“ äußert sich via Pressemitteilung kritisch

„Umgehend strengere Regulierung von Sportwetten!“, lautet der Titel der Pressemittelung von „Unsere Kurve e. V.“ Sofort wird der Anschein von Dringlichkeit vermittelt. Ein paar Schlagworte haben wir herausgesucht. „Alle wissen es: Sportwetten bieten enormes Sucht- und Gefährdungspotential“, heißt es. „Der Fußball Betrieb profitiert durch Kooperations- und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten-Anbietern, ohne seiner gesellschaftlichen Verantwortung ausreichend gerecht zu werden“, steht geschrieben. Ebenso werden die Akteure im Fußball als profitgierig beschrieben. Dass Fanverbände sich zu Wort melden, ist eher selten. Immerhin wollen die Fans selber ein möglichst großes Spektakel sehen. Doch „Unsere Kurve e. V.“ sah einen klaren Grund sich zu positionieren: „Durch den neuen Glücksspiel-Staatsvertrag von Juli 2021 wurden alle Formen des Online-Glücksspiels legalisiert, was die mediale Präsenz der Anbieter noch weiter erhöht. Obwohl der Vertrag eine Kontrollbehörde zur Einhaltung der festgelegten Regeln vorsieht, wird diese jedoch erst ab 2023 voll handlungsfähig sein“, heißt es in Bezug auf den Grund der Wortmeldung.

Interessant ist der Vergleich mit Tabak- oder Alkohol-Werbung. Diese ist nämlich weitestgehend aus der Fußball-Landschaft verband. Außer bei der Nationalmannschaft, wo schon mal Krombacher in der Vorschau zu sehen ist. Dennoch sind Produkte mit Suchtgefahren eigentlich ein No-Go bei der Werbung zum Fußball. Sportwetten sind eine Ausnahme. Liegt es an der Verbindung zum Sport selber? Oder zahlen die Werbekunden einfach gut. Solange es keine gesetzliche Regelung gibt, die das Zeigen von Wettwerbung während der Spiele verbietet, wird sich daher wohl kaum etwas ändern. Doch wie könnte sich überhaupt etwas ändern? Dafür müsste sich unter den Innenministern der Länder eine Mehrheit für eine Werberegulierung finden. Denn Glücksspiel ist Ländersache. Der Glückspielstaatsvertrag vom Sommer 2020 öffnet den Markt sogar für weitere Anbieter und erhöht damit den Wettbewerb unter den Online-Buchmachern.

Politisches Nischenthema: Sportwetten sind medial in der Politik kaum präsent. Steht eine Änderung bevor? Das moralische Bewusstsein der Vereinigungen und Fans wächst.

Fußball und seine Vorbildfunktion: Ein Luftschloss?

Fußball und Wetten: Ein heißes Thema / Shutterstock.com

Schon bei Corona sollen Fußball mit guten Beispiel vorweggehen. Gleiches gilt jetzt für die legalisierten Sportwetten. Doch darf immer wieder auf die Vorbildfunktion verwiesen werden. Immerhin reden wir hier von Sportlern, die mehrheitlich gerade mal 25 Jahre oder jünger sind. Die jüngsten Kicker in der Bundesliga begannen mit 16 Jahren als Profi auf dem Platz zu stehen. Wie viel Vorbildfunktion darf von Teenagern und jungen Erwachsenen eingefordert werden? Fakt ist: Die Rolle als Vorbild muss von oben her gelebt werden. Da wären wir bei den Verantwortlichen der Vereine. Diese nehmen durch Sportwetten Werbung jedoch selber eine größere Summe Geld ein. Selbst im Falle eines seriösen Umgangs mit dem Thema, gilt es abzuwägen.

Einerseits steht die moralische Verantwortung auf dem Papier. Dann ist da aber ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit dem Ausland. Gerne wird immer die englische Premier League genannt, die finanziell den anderen Ligen in Europa enteilt ist. Um auch weiterhin um die Champions League mitspielen zu können, braucht es Einnahmen. Und für die Clubs abseits des FC Bayern in der Bundesliga braucht es gefühlt jeden Cent, um sich nicht noch weiter von der Spitze zu entfernen. Es ist daher kaum anzunehmen, dass der Fußball in Deutschland von sich aus einen Wandel vollziehen wird. Da braucht es schon die Eingaben von politischer Seite. Wie tief Sportwetten Anbieter und der Fußball verbandelt sind, lässt sich leicht belegen. Denn nicht nur die Clubs haben entsprechende Sponsoren. Bwin sponsert den Deutschen Fußball Bund, den DFB-Pokal, die 3. Liga, die Frauen-Bundesliga und sogar die Nationalmannschaft. Tipico sponsert die beiden Bundesligen.

Politik mit Vorbildfunktion: Im Gegensatz zu Corona ist es politisch leichter bezüglich der Sportwetten Werbung Vorgaben zu schaffen. Um etwas zu ändern, müssten also zuerst die Politiker aus Spielerschutz-Sicht vorbildliche Gesetze erlassen.

Fanvereinigung „Unsere Kurve“ verlangt striktere Sportwetten Regeln 1200 1000 2022-01-19 15:46:41 Online-Casino.de

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