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Ist die Netzsperre der Schweiz für Online-Casinos ein Erfolg?

Martin Hill, 22. November 2021, Technik

Glücksspiel in der Schweiz (Bildquelle)

Diese Frage ist zweifelsohne auch für Deutschland von Interesse. Denn unsere Nachbarn aus der Schweiz sind uns mit der Regulierung des Casino-Sektors zwei Jahre voraus. Dort wurden Casinos aus dem Ausland sogar konsequent vom Spielbetrieb verbannt. Das Mittel der Wahl ist eine Netzsperre. Damit lassen sich geblockte Homepages von der Bevölkerung der Schweiz nicht mehr aufrufen. Doch wie sehr hat diese Maßnahme geholfen? Oder ist der gewünschte Effekt gar nicht eingetreten? Fakt ist, dass noch immer Millionen an Glücksspieleinsätzen von der Schweiz ans Ausland fließen. Derzeit scheinen die Behörden dagegen noch keine Handhabe gefunden zu haben.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Netzsperre auch in Deutschland kommt. Lediglich die neue Behörde in Halle ist noch nicht stark genug besetzt, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Ohnehin muss hier die richtige Reihenfolge gewahrt bleiben. Erst haben die Online-Casinos nämlich die Chance sich um eine deutsche Lizenz zu bewerben. Wer die Auflagen erfüllt und die Anträge einreicht, der wird mit einer Konzession belohnt. Der Vorteil: Slots dürfen in der Bundesrepublik legal angeboten werden. Folglich droht den entsprechenden Unternehmen auch keine Netzsperre. Warum sollte also ein Risiko auf sich genommen werden? Weil das Online-Glücksspiel in Deutschland nicht mehr komplett ist!

Blick in die Schweiz: Lassen sich die Eidgenossen kanalisieren?

Im deutschen Glücksspielgesetz ist von der „Kanalisierung“ die Rede. Dabei geht es darum, dass die Spieler auf seriösen, geprüften und überwachten Plattformen dem Glücksspiel frönen. Den Schweizern waren die ausländischen Online-Casinos ein Dorn im Auge. Die Folge: Nur noch einheimische Casinos durften Glücksspiele anbieten. Ein wenig wurde das Gesetz sogar von den Anbietern selber umgangen. Denn die Spielbanken arbeiten mit im Ausland ansässigen Unternehmen zusammen, um möglichst viele Spiele feilbieten zu können. Doch sind die Online-Casinos aus dem Ausland weiterhin ausgesperrt. So hat es zumindest den Anschein. Seit 2019 arbeitet die Schweiz mit Netzsperren. Hat ein Anbieter keine Lizenz in der Schweiz und dies gilt für alle ausländischen Operatoren, so kommt die Domain auf eine Bannliste. Doch nicht alle Online-Spielbanken gehen mit der Rechtslage in der Schweiz konform. Einige Spielcasinos suchen daher alternative Möglichkeiten, die Spieler aus der Schweiz für sich zu gewinnen bzw. zu halten.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige Online-Casinos ihren Kunden regelmäßig per Mail einen Link zuschicken, unter dem sie die Spielbank weiterhin erreichen können. Eine gewisse Zeit später haben die Behörden aus der Schweiz reagiert und den Link gesperrt. Kurz darauf folgt dann der nächste Link per Mail – ein Teufelskreis. Fakt ist jedoch, dass sich in der Schweiz laut 20min.ch nur die Anbieter strafbar machen, nicht aber die Spieler selbst. Folglich haben die Kunden nicht zu verlieren, außer ihren Einsatz. Derzeit scheint es keine dauerhafte Lösung zu geben, wie illegale Anbieter sich vom Markt fernzuhalten lassen. Vor der Aktualisierung des Geldspielgesetzes in der Schweiz ging eine Studie von 250 Millionen Schweizer Franken aus, die an ausländische Plattformen fließen. Weiterhin wird spekuliert, dass diese Summe um 150 Millionen zu drücken war. Demzufolge müssten noch immer 100 Millionen Schweizer Franken den ausländischen Spielbanken zugeführt werden.

Blick nach Deutschland: Läuft es mit den Netzsperren hier ähnlich?

Deutschland Wann kommt die Netzsperre? (Bildquelle)

Netzsperren werden nach Deutschland kommen. Doch es gibt zwei zentrale Unterschiede. Erstens: Deutschland schließt die Operatoren aus dem Ausland nicht aus. Zweitens: Hier ist deutschlandweit aktuell kein Tischspiel erlaubt. Allerdings gibt es diesbezüglich bald Abhilfe. Doch der Reihe nach. Zunächst einmal hat jeder Anbieter in Deutschland die Chance, sich auf eine Lizenz zu bewerben. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, soll die Konzession auch erteilt werden. Der Staat verdient mit. Und durch eine entsprechende Überwachung ist der Spielerschutz gewährleistet. Dass scheint ein guter Kompromiss. Wer sich jedoch nicht mit der deutschen Rechtslage einverstanden erklärt und sein Wirtschaften in der Bundesrepublik nicht einstellt, der wird künftig auch auf die Bannliste (Netzsperre) gesetzt. Spieler aus Deutschland könnten folglich die Homepage der Anbieter nicht mehr oder nur noch über Umwege (VPN) aufrufen. Doch warum sollten sich Anbieter nicht um eine deutsche Lizenz bemühen?

Aktuell dürfen mit einer Glücksspiellizenz nur Automatenspiele feilgeboten werden. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass die Tischspiele zurückkehren. Doch scheinen es die Landeslotto-Stellen zu sein, wo viele Bundesländer Roulette und Co verorten. Tatsächlich ist es nämlich in Deutschland den Ländern überlassen, das eigentliche Casino-Spiel zu verorten. Hier zeigt sich wieder: Glücksspiel ist Ländersache. Ob die Tischspiele dann sogar nur über das jeweilige Bundesland selber, beispielsweise für Einwohner von Thüringen bei Lotto Thüringen, zu erreichen sein soll, ist uns noch nicht bekannt. Doch hier gibt es ein Problem, welches sich auch in der Schweiz abzeichnet. Viele Spieler, besonders die erfahrenen Highroller, möchten in einer professionellen Umgebung spielen. Daher ist ein Ausweichen auf nicht regulierte, ausländische Unternehmen noch immer eine Option.

Wann kommt das Casino-Spiel nach Deutschland zurück? Derzeit arbeiten viele Bundesländer daran, Lizenzen zu vergeben – wie der Stern auch bezüglich Lotto Thüringen berichtet. Wie schnell das geht, bleibt ebenso wie bei den Slots abzuwarten.

Ist die Netzsperre der Schweiz für Online-Casinos ein Erfolg? 1200 1000 2021-11-22 09:21:46 Online-Casino.de