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Kampf gegen Spielsucht: Großbritannien eröffnet Klinik

Ralf Schneider, 14. Oktober 2019, Sport & Spiel

Süchtig nach Computerspielen oder dem Internet? / Shutterstock.com

Im Vereinigten Königreich wird gerne gespielt. Häufig stehen hierbei die Sportwetten im Fokus. Eventuell sind auch die Casino-Spiele gemeint. Doch in diesem Fall steht die Computerspielsucht und die Abhängigkeit von sozialen Medien im Blickpunkt. In London wird diesbezüglich das erste staatliche Gesundheitszentrum eröffnet. Ziel ist die Therapie von Spielsüchtigen. Gleichwohl sendet der Direktor des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes eine klare Botschaft an die Spieleindustrie, welche er für die Spielsucht vieler Menschen in der Verantwortung sieht.

Diverse Generationen sind inzwischen mit Computerspielen aufgewachsen. Mehr noch. Die Spieler sind inzwischen erwachsen. Und trotzdem bleibt das Hobby bestehen. Wer heutzutage in den Beruf eintritt, der hängt seine Karriere als Gamer nicht an den Nagel. Viele Nutzer verstehen das Spielen als Alternative zum Fernsehen. Dabei ist Zocken jedoch wesentlich aktiver. Klingt zunächst recht positiv. Doch kritisiert Simon Stevens vom Gesundheitsdienst NHS der UK, dass besonders die Jugendlichen hier schnell in eine Abhängigkeit geraten.

Internet- und Gaming-Störung: Spielsucht-Klinik vor Eröffnung

Im kommenden Monat eröffnet die Klinik in London. Sie spezialisiert sich auf bewusste Therapiebilder. Der Name „Centre for Internet and Gaming Disorders“ ist Programm. Entsprechend zielt die Behandlung besonders auf junge Spieler oder Internet-Nutzer im Alter von 13 bis 25 Jahren ab. Diese weisen regelmäßig eine Verhaltensstörung beim Umgang mit sozialen Medien oder Online-Spielen auf. Um die Zielgruppe besser zu erreichen, ist nicht nur eine Behandlung vor Ort möglich. Videogespräche via Skype stehen ebenfalls auf dem Plan. Neben der Klinik in London, sollen 14 weitere Zweigstellen entstehen, wo die Verhaltensstörungen zu behandeln sind. Die Notwendigkeit einer solchen Betreuung wird deutlich, wenn sich einige Zahlen vor Augen gerufen werden. Fachleute sprechen von Spielern, die täglich bis zu zwölf Stunden oder länger mit Computerspielen verbringen. Dabei wird nicht selten die Nacht zum Tag gemacht. Eine soziale Isolierung ist häufig die Folge.

Großbritannien sticht zuletzt nicht mehr nur als Land der Spieler, sondern ebenfalls in den Belangen des Spielerschutzes heraus. Andere Länder haben sich ebenfalls bemüht, sich der Spiele- und Internetstörung anzunehmen. Doch meist sind diese Bemühungen eher stiefmütterlich ausgefallen. „Zwanghaftes Spielen, soziale Medien und Internetabhängigkeit sind ein Problem, das nicht verschwinden wird, wenn sie eine so wichtige Rolle im modernen Leben einnehmen“, so Clarie Murdoch in ihrer Rolle als nationale Direktorin für psychische Gesundheit des NHS. Mit dem Start des Novembers nehmen sich die Psychologen der Klinik denjenigen Personen an, deren Leben durch exzessives Spielen oder fortdauernde Online-Aktivität beeinträchtigt ist.

Südkoreas Kampf gegen Spielsucht: In Südkorea sollten zumindest die Online-Spiele-Seiten zwischen 0 und 6 Uhr morgens erst ab 16 Jahren aufzurufen sein. Da sich eine entsprechende Regelung jedoch nicht auf Smartphones und Tablets erstreckte, war die Umsetzung nur mäßig erfolgreich.

Herrscht eine internationale Epidemie unbekannten Ausmaßes?

Jugendliche häufig betroffen / Shutterstock.com

Schon im September 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Weichen für Klinken gestellt, wie sie jetzt in London entsteht. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde „Gaming Disorder“ als Krankheit anerkannt. In Deutschland könnte sich das Krankheitsbild unter dem Namen „Gaming-Störung“ eingliedern. Die WHO nennt als Symptome – natürlich im Zusammenhang mit exzessiven Spielen – Schlafmangel, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, sowie aggressives Verhalten und Depression. Bislang gab es in der Medizin eine Lücke, welche jetzt erst so langsam geschlossen wird. Erneut schauen wir nach Großbritannien.

Dr. Henrietta Bowden-Jones spricht von einer Überschwemmung. „Wir haben bereits 60 Einweisungen“. Weiterhin führt sie aus, dass einige dieser ärztlichen Überweisungen erst kürzlich mit Bekanntwerden der Eröffnung einer Klinik erfolgt sind. Andere Patienten musste immer wieder vertröstet werden, weil es für sie bislang keine Möglichkeit der Behandlung gab. Einige ließen sich jedoch vormerken und können jetzt behandelt werden. London ist kein Einzelfall. In Eindhoven existiert die Yes We Can-Klinik, welche schon im Jahr 2018 250 Kinder wegen Spielsucht behandelte. 2019 waren es schon 450 Patienten, 50 davon aus dem United Kingdom. Fakt ist, dass die Zahl der spielsüchtigen Kinder steigt.

Verantwortung gerecht werden: Aus Großbritannien werden Stimmen laut, dass die Internetkonzerne und Spielehersteller eine Abgabe namens „Mental Health Levy“ zahlen sollen, um die sozialen Kosten mitzufinanzieren.

Spielsucht: Eine Störung, die zu behandeln ist

Zunächst einmal braucht keine Panik geschürt zu werden. Auch Dr. Bowden-Jones geht lediglich von 2 Prozent der Spieler aus, die an der anerkannten medizinischen Störung leiden. Dennoch sind es in Großbritannien 75 Prozent der jungen Erwachsenen, die sich dem Gaming hingeben. Ungefähr 8,5 Millionen Einwohner in England sind zwischen zwölf und 24 Jahre alt. Wenn davon 75 Prozent Gaming als Hobby betreiben, sind dies noch immer 6,375 Millionen Personen. Wenn wir davon jetzt auf zwei Prozent herunterrechnen, dann sind noch immer voraussichtlich 127.500 Spieler vom Krankheitsbild „Gaming Disorder“ betroffen.

Natürlich sind diese Zahlen nur eine Schätzung. Für konkretere Erkenntnisse fehlt es an der Forschung und an Erfahrungswerten bei der Behandlung. Dennoch reden wir nur von einem Land. Weltweit sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Millionen Spieler betroffen. Daher ist es grundsätzlich eine gute Entwicklung, dass Betroffene endlich einen Ausweg in Form einer Behandlung finden. Alle Spieler sollten sich zumindest regelmäßig hinterfragen, ob ihr Hobby noch in normalen Maßen verläuft. Die Frankfurter Allgemeine hat sich diesem Thema ebenfalls angenommen.

Kampf gegen Spielsucht: Großbritannien eröffnet Klinik 1200 1000 2019-10-14 11:33:01 Online-Casino.de

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