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Mafia auf Malta: Ist die Glücksspiel-Aufsicht unterwandert?

Rechte und Pflichten im Online-Glücksspiel (Bildquelle)

Regiert auf Malta das Verbrechen in Form der italienischen Mafia? Einen Großteil der Anbieter aus der Branche Online-Glücksspiel betreiben ihre Unternehmen mit einer Lizenz von dem südeuropäischen Inselstaat aus. Inzwischen verweisen einige Medien auf eine Verbindung zur Unterwelt aus Italien. Dabei soll der Verdienst mit unlauteren Mitteln erzielt worden sein. Auch von Geldwäsche ist die Rede.

Daphne Caruana Galizia ist der Name einer maltesischen Journalistin, die im Oktober 2017 durch eine Autobombe ums Leben kam. Ihre letzten Recherchen galten dem Missbrauch innerhalb der maltesischen Glücksspielbehörde. Die Ermordung ließ diverse Fragen offen. Daher haben sich Medienvertreter zum Daphne-Projekt zusammengeschlossen. Derzeit stellt sich durchaus die Frage, wie tief die Glücksspielbranche und insbesondere die Malta Gaming Authority (MGA) in mafiöse Strukturen verwickelt ist. Die Süddeutsche hat dazu ein erstes Statement abgegeben.

Gehen Verfehlungen der Malta Gaming Authority auf den Einfluss der Mafia zurück?

Italienische Ermittler haben unlängst eingeräumt, dass sie schon seit einem Jahrzehnt unterschiedlichen Mafiaclans auf den Fersen sind. Die Spur führt nach Malta. Denn die dortige Branche des Glücksspiels soll für die eigenen Zwecke genutzt worden sein. Dabei ist die Rede davon, dass der gesamte Sektor unterwandert worden ist. Die wertvollen Konzessionen der MGA sollen sogar problemlos untereinander getauscht worden sein. Andere Firmen sollen ohne Lizenz ihre Geschäfte gemacht haben. Die Glücksspielbehörde scheint aktuell nicht sehr gewissenhaft zu arbeiten. Denn eigentlich sollte eine stetige und gründliche Kontrolle der Lizenznehmer vorgenommen werden. Anti-Mafia-Ermittler sehen in den Online-Casinos ein großes Potential, unsauberes Geld reinzuwaschen. Schon im Februar 2018 soll ein solches Netzwerk der Cosa Nostra zerschlagen worden sein.

Die Verbindungen der italienischen Mafia nach Malta sind inzwischen nachgewiesen. Daher hat das Anti-Mafia-Gericht in Italien die Behörden auf Malta um Hilfe gebeten. Bis zur Anordnung von internen Recherchen sind Monate ins Land gegangen. Anschließend fand die Einfrierung von Konten der Beschuldigten statt. Die Journalisten des Daphne-Projektes können nachweisen, dass diverse Online-Casinos auch ohne Genehmigung weiterhin betrieben wurden. Zumindest ein Fall ist belegbar, wo ein Mitarbeiter der maltesischen Glücksspielaufsicht tatkräftig mitgeholfen hat. Heute ist dieser Mann als Berater angestellt. Im Januar 2018 wurden vom Gericht in Palermo 26 Haftbefehle erlassen. Darunter befand sich auch Benedetto Bacchi, der über Mittelsmänner der kalabrischen Mafia ‚Ndrangheta die maltesischen Lizenzen nutzte, um seinen Gewinn je Monat auf 16 Millionen Euro anzuheben.

Das sinkende Schiff verlassen: Diverse Anbieter auf Malta haben damit gedroht den Inselstaat zu verlassen, sollte die Regierung nicht für faire Verhältnisse und mehr Übersichtlichkeit in der Branche sorgen.

Malta äußert sich zu den Mafia-Vorwürfen der Journalisten

Wird in Malta Geld gewaschen? (Bildquelle)

Bislang zeigt sich Malta nicht einsichtig. Laut der MGA beziehen sich die bisherigen Recherche-Ergebnisse der Journalisten auf längst abgeschlossene Geschichten. Auch wird der Vorwurf bestritten, dass nicht hinreichend mit den Behörden in Italien zusammengearbeitet wird: „Anfragen von Strafverfolgungs- oder Finanzermittlungsstellen werden an die entsprechenden Behörden in Malta geschickt“. Weiterhin wird darauf verwiesen, dass auf Anforderung alle relevanten Informationen bereitgestellt werden. Gleichwohl verwies die Glücksspielaufsicht auf Malta darauf, dass es von übergeordneter Bedeutung sei, den Zugriff krimineller Organisationen zu unterbinden. Auch das Zulassungsverfahren wird aufgegriffen. Hier verwiest die MGA darauf, dass vielen Anbietern die Lizenzen verweigert oder entzogen werden, sollten die Voraussetzungen nicht mit den Anforderungen übereinstimmen.

Trotzdem bleiben Fragen offen: Warum musste Daphne Caruana Galizia sterben? Wem war sie mit ihren Recherchen zu nahe gekommen? Und wo finden sich die Lücken in den Gesetzen oder den Regeln der Aufsichtsbehörde, dass italienische Verbrecherbanden das Online-Glücksspiel für ihre eigenen Zwecke missbrauchen und Geld waschen konnten. Denn zumindest einige Argumente werden von den Medien als Fakten dargestellt. Dazu zählen definitiv die Verbindungen zur italienischen Mafia und die Beteiligung eines ehemaligen Mitarbeiters der Malta Gaming Authority an krummen Geschäften.

Niedrige Steuern: Malta überzeugt die Glücksspielbranche insbesondere mit seinem kleinen Steuersatz, welcher höhere Gewinne verspricht. Gleichwohl profitiert der Staat selber von dieser Regelung. Inzwischen trägt das Glücksspiel zu zwölf Prozent zur Wertschöpfung von Malta bei (1,2 Milliarden Euro).

Online-Glücksspiel: Nicht alle Anbieter über einen Kamm scheren

Die bisherigen Berichte zeichnen ein düsteres Bild des Glücksspiels in Malta. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass die großen Namen unter den Online-Casinos und –Sportwetten nicht in derlei Betrügereien verwickelt sind. Diverse Unternehmen, wie Casinoclub oder Bet-at-Home, sind über ihre jeweiligen Mutterkonzerne sogar an der Börse vertreten. Hier findet nochmals eine schärfere Aufsicht statt. Trotz der negativen Presse und des definitiv weiterhin vorhandenen Aufklärungsbedarfs ist darauf zu verweisen, dass der Großteil der Glücksspielanbieter, die ihren Sitz auf Malta haben, ein seriöses Geschäft betreiben.

Mit dem bevorstehenden Brexit liebäugeln sogar weitere Anbieter mit einem Umzug hin nach Malta. Bet365 ist ein Name, der aktuell mit diesem Vorhaben in Verbindung gebracht wird. Der britische Buchmacher ist derzeit von Gibraltar aus tätig. Da der Inselstaat jedoch zum Vereinten Königreich gehört, müssen die Geschäfte künftig anderswo abgewickelt werden. Allerdings werden sich neue Casinos und Sportwetten-Anbieter die aktuelle Entwicklung auf Malta sicherlich sehr genau anschauen, bevor eine Entscheidung pro oder contra der Geschäftsbasis dort getroffen wird.

Änderungen in der Lizenzvergabe: Von den Plänen Maltas etwas an der Vergabe von Konzessionen zu verändern, berichteten wir bereits.

Mafia auf Malta: Ist die Glücksspiel-Aufsicht unterwandert? 1200 1000 2018-05-24 15:53:05 Online-Casino.de

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