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Malta vs. Deutschland: Wo Glücksspiel die Grauzone verlässt

Martin Hill, 27. August 2018, Wirtschaft

Glücksspiel in Deutschland und Europa (Bildquelle)

Glücksspiele werden in Malta und Deutschland unterschiedlich gehandhabt. Während innerhalb der Bundesrepublik Online-Casinos vom Gesetz her noch verboten sind, sollen die Auflagen für den Betrieb eines virtuellen Casinos oder eins Online Sportwetten-Büros auf Malta recht einfach zu überspringen sein. Doch wann geraten deutsche Unternehmer in die Illegalität, wenn sie ihre Produkte über entsprechende Anbieter in Malta wieder auf dem deutschen Markt feilbieten?

Zunächst soll vorweggeschickt werden, dass in Deutschland eine Überarbeitung des Glücksspielrechts stattfindet. Casino-Anbieter sollen künftig mit einer Lizenz rechnen dürfen. Auch im Bereich der Sportwetten, beim Pokern und in anderen Glücksspielen sind Änderungen zu erwarten. Allerdings müssen die Ministerpräsidenten der Länder sich erst auf ein einheitliches Vorgehen einigen und dieses verbindlich festhalten. Es ist anzunehmen, dass vorher noch Monate ins Land gehen. Bis dahin gilt freilich noch der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag.

Deutsche Glücksspielunternehmer wollen Stück vom Milliardenkuchen

Die Süddeutsche spricht im Zusammenhang des Glücksspiels in Malta davon, dass deutsche Unternehmer am Milliardenmarkt teilhaben möchten. Denn der Markt selber ist kaum reguliert. Innerhalb der deutschen Gesetzgebung finden sich zwar Paragraphen, die Online-Casinos verbieten oder Sportwetten einschränken sollen, doch eine faktische Umsetzung findet nicht statt. Konkret wird die Firma Löwen Play aus Bingen angesprochen. Als Betreiber von über 400 Spielhallen hat sich das Unternehmen in Deutschland einen Namen gemacht. Diese Art von Betrieb ist in Deutschland gewerblich erlaubt. Zeitungsreporter wollen jetzt jedoch herausgefunden haben, dass Löwen Play auch auf Malta mitmischt. Und zwar beim Online-Casino Lapalingo, welches wiederum mit dem Slogan „Qualität Made in Germany“ wirbt.

Tatsächlich stammen einige Automatenspiele wohl aus einer deutschen Schmiede. Diese kommen von Lionline Entertainment, welches wiederum ein Subunternehmen von Löwen Play sein soll. Auf Nachfrage wurde dort verkündet, nicht mit illegalem Glücksspiel verbandelt zu sein. Weiterhin wurde ausgeführt, dass ein Verkauf der programmierten Spiele an Softwarelieferanten stattfinde. Vertraglich wird dabei fixiert, dass die Geschäftspartner sich an das geltende Recht des jeweiligen Landes zu halten haben. Vom Fachverband Glücksspielsucht wird nochmals klargestellt, dass Casinos aus dem Ausland, die Spiele auf den deutschen Markt bringen, gegen den Glücksspielstaatsvertrag verstoßen. So sagt es Jan-Philipp Rock als Richter vom Landgericht in Hamburg. Problematisch wird es hierbei, wenn der Softwareentwickler Spiele programmiert, die eindeutig auf deutsche Kunden zugeschnitten sind und diese ins Ausland verkauft. Denn es ist nur logisch, dass diese Games wieder auf den deutschen Markt zurückfinden.

Glücksspielaufsicht auf Malta: Die Malta Gaming Authority (MGA) ist für Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes zuständig. Häufig wird kritisiert, dass die Überprüfungen nicht streng genug vorgenommen werden.

Versteckspiel: Wie gehören Lapalingo, Löwen Play und Lionline zusammen?

Sind deutsche Firmen im EU-Ausland auf Malta aktiv? (Bildquelle)

Löwen Play aus Bingen hat bislang nicht zugegeben geschäftliche Beziehungen zu Lapalingo nach Malta zu unterhalten. Allerdings liegt der Süddeutschen eine Mail aus dem Jahr 2016 vor, wo auf Rückfrage nach dem Betreiber von Lapalingo, die Spur wiederum nach Lionline von Löwen Play führt. Erneut streiten die Unternehmer aus Deutschland jeden Zusammenhang ab. Dass es beim Eigentümer am Postenkasten Anschriften für drei Unternehmen gibt, macht die Sachlage nicht durchsichtiger. Dort können Briefe für Rabbit Entertainment, Rabbit Bettertainment und United Remote eingehen. Anscheinend firmieren die Unternehmen zusammen in einem Büro. Ein Unternehmen betreibt das Online-Casino, ein weiteres stellt die Software bereit. Außerdem ist bei beiden Anbietern der gleiche Treuhänder im Hintergrund aktiv. Also scheinen die Firmen geschäftlich verbandelt.

Allein die Art, wie die Unternehmensstruktur aufgezogen ist, zeichnet den verwirrten Kunden und den ermittelnden Journalisten Fragezeichen auf die Stirn. Doch soll die Webseite von Lionline in den elektronischen Aufzeichnungen als Firmenadresse von United Remote ausgegeben worden sein. Inzwischen ist dieser Eintrag jedoch verschwunden. Löwen Play räumt jedoch ein, Kontakte zum einem Glücksspielunternehmer aus Mannheim zu unterhalten. Dieser wiederum soll Verbindungen nach Malta haben. Löwen Play räumte ein von dem Unternehmer aus Mannheim eine Software gekauft zu haben, die jetzt im Lapalingo Casino abgespielt wird. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Akteure eng zusammenarbeiten.

Wo liegt der Verstoß? Problematisch ist die Geschichte, da Online-Casinos in Deutschland laut Gesetz noch verboten sind. Casinos aus dem Ausland können gegen deutsches Recht verstoßen. Die handelnden Personen sind natürlich greifbarer, wenn diese zumindest teilweise von Deutschland aus tätig sind.

Glücksspielrecht: Deutschland oder Malta, Hauptsache EU

Derzeit scheint es in der Tat weniger wichtig, von wo aus die Glücksspiele in Deutschland feilgeboten werden. Eine aktive Verfolgung der Online-Anbieter scheint nicht stattzufinden. Dies mag daran liegen, dass das Glücksspielangebot für diesen Sektor sowieso überarbeitet wird. Allerdings fanden auch zuvor keine sichtbaren Überprüfungen statt. Von Malta aus berufen sich Unternehmen auf die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU. Gleichwohl handelt es sich um ein Steuerparadies für die Unternehmer. Seit 2003 werden dort Konzessionen für Firmen aus dem Sektor des Glücksspiels vergeben. Europa „schreit“ schon länger nach einer Verschärfung des Maltesischen Rechts. Die Umsetzung hat sich jedoch verzögert und betrifft in der Hauptsache die Themen Geldwäsche und Schutz des Spielers. Ein neues Lizenzmodell ist unter dem Titel „The Gaming Act“ geplant. Die MGA vergibt weiterhin Lizenzen für Online-Casinos, Lotterien, Bingo-Anbieter, Sportwetten und I-Gaming-Plattformen. Ob es zu einer endgültigen Aufklärung des Dreiecksspiels zwischen Löwen Play, Lionline und Lapalingo kommt, ist abzuwarten.

Malta vs. Deutschland: Wo Glücksspiel die Grauzone verlässt 1200 1000 2018-08-27 15:33:13 Online-Casino.de

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