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Spielsucht unter Fußballern steigt auf 300 Prozent an

Ralf Schneider, 4. Dezember 2020, Unterhaltung

Plant Sony mit Wetten auf Games? / Shutterstock.com

Das Wort „Corona-Pandemie“ ist von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2020 gekürt worden. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Immerhin hat die Gesundheitskrise in allen Bevölkerungsgruppen Spuren hinterlassen – auch bei den Fußballern. Und wir reden hier in erster Linie aktuell nicht von der Spielpause im Frühjahr oder von den aktuell wieder stattfindenden Geisterspielen. Denn die Quarantäne-Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Sportler sich in einem anderen Hobby vermehrt ausgetobt haben – im Gaming. Dies geht zumindest aus der Erhebung eines englischen Spielsucht-Beraters hervor.

Natürlich muss an dieser Stelle auch kritisch hinterfragt werden, ob das Spielverhalten nicht in diversen Bevölkerungsgruppen zugenommen hat. Doch bei den Fußballern scheint es besonders auffällig. „Die Zahlen steigen immens“, so Spielsucht-Berater Steve Pope. Weiterhin führt er aus: „Seit dem ersten Lockdown haben sich die Spieler, die mich kontaktiert haben, verdreifacht. Dementsprechend wollen wir einmal aufzuschlüsseln versuchen, warum gerade Fußballer sich jetzt vermehrt mit Gaming befassen.

Profi-Fußballer haben plötzlich sehr viel Zeit

Für gewöhnlich besteht der Alltag eines Profis aus Training und Spielen. Und in den Phasen dazwischen stehen Regeneration oder Fokus an. Schon vor Corona ist das Gaming unter Sportlern ein Thema gewesen. Doch jetzt hat der Trend wohl überhandgenommen. Beispielhaft können wir Max Kruse anführen, ohne dem Sportler eine Spielsucht unterstellen zu wollen. Er geht mit seinen Hobbys sehr locker um und streamt sich beim Zocken sogar selbst. Doch einige Kicker kommen vom Spielen scheinbar nicht mehr los.  Dazu müssen wir uns natürlich ein wenig in die Lage der Fußballer versetzen. Diese werden meist mehrfach die Woche auf das Virus getestet. Ausflüge ins Nachtleben oder nur zum nächsten Supermarkt sind häufig nicht erlaubt. Augsburgs Trainer Heiko Herrlich geriet in die Kritik, weil er während der Quarantäne Zahnpaste kaufen gegangen war. Die Folge: Trainingsverbot mit der Mannschaft. Und sein persönliches Debüt, er übernahm im März beim FC Augsburg, musste verschoben werden.

Es ergibt sich also folgende Situation. Du hast nicht jeden Tag ein Spiel. Und die Belastungssteuerung ist ebenfalls ein Thema. Daher trainierst du auch nicht rund um die Uhr. Allerdings sind Ausflüge im Großen und Ganzen ebenfalls untersagt. Die Fußballer sind also häufiger zuhause oder im Hotel und müssen sich beschäftigen. Gaming schien da die naheliegende Antwort zu sein. Besonders stark trat dieser Effekt jedoch ein, als kein Spielbetrieb stattfand, wie Experte Pope ausführt: „Als die Fußball-Saison unterbrochen war und Fußballer nichts anderes zu tun hatten, ist Gaming sehr reizvoll geworden. Selbst jetzt ist es immer noch ein Problem, da die Spieler noch nicht richtig davon losgekommen sind“. Er kann dieses Phänomen auch anhand von Zahlen benennen und verweist auf einen Anstieg auf 300 Prozent.

Gemeinsamkeit von Fußball und Gaming: Der Profi ist aufs Gewinnen gepolt. Und im eSport findet er dafür ein Spiel mit Wettbewerbs-Charakter vor.

Maßnahmen zum Gaming unter Fußballern: Heute und in der Zukunft

Fußballer verstehen Gaming als Wettbewerb. (Bildquelle)

Ein gewisser Normalisierungseffekt wird ohnehin eintreten. Denn die Zwangspause für Fußball ist zu Ende. Im Gegenteil: Aktuell sind die Profis einer größeren Belastung ausgesetzt als sonst. Die Saison startete später. Die EM soll jetzt 2021 im Sommer stattfinden. Daher muss die Saison pünktlich schließen. Damit fällt in Deutschland sogar die Winterpause weg. In England, wo es die Unterbrechung im Winter ohnehin nicht gab und wo weitere Pokale gespielt werden, ist der Terminplan noch enger. Wer jedoch eine echte Spielsucht im Gaming entwickelt hat, der kommt davon eventuell so schnell nicht los. In England gibt es diesbezüglich Anlaufstellen für die Profis. Dabei ist insbesondere die Fußballer-Gewerkschaft PFA zu nennen. Doch auch wohltätige Organisationen, wie Sporting Chance, widmen sich der Suchtbekämpfung. Alex Mills arbeitet bei Sporting Chance. Er sieht den Anstieg der Problemfälle ebenfalls, grenzt aber ein: „Es sind noch keine so hohen Zahlen, aber es ist ein größeres Problem als noch vor zehn Jahren.“

Die Spielsucht unter Profi-Fußballern verzeichnet also ansteigende Zahlen. Doch die Branche schläft nicht. Laut Mills steigen nämlich auch die Nachfragen nach entsprechenden Schulungen. Und auch in den Fußball-Akademien finden solche Themen, die Sportwetten gehören ebenfalls dazu, inzwischen statt. Somit entwickelt sich der Fußball nicht nur auf dem Platz stetig weiter, sondern auch Abseits des eigentlichen Fußballs. Interessant finden wir diesbezüglich die Abgrenzung zwischen Fußball als Sport und den eSport. Denn die Profis scheinen Computerspiele als eine Art Ersatz herangezogen zu haben. Es scheint dem sportlichen Wettkampf aus diesem Gesichtspunkt also ähnlich zu sein. Doch sind eSports bislang nicht als Sportart anerkannt. Dabei werden in dieser Branche Preisgelder von bis zu 35 Millionen US-Dollar (The International 2019 – Dota 2) ausgelobt.

Trainer-Kniff: Ralph Hasenhüttl ist aktuell Trainer beim FC Southampton in England. Er beobachtete diesen Trend augenscheinlich auch mit Sorge. „Die Spieler spielten bis drei Uhr morgens in der Nacht vor einem Spiel. Du musst aktiv sein und sie schützen“, so der Coach schon im Jahr 2019. Seine Lösung war einfach: Er ließ das W-LAN abschalten.

Spielsucht unter Fußballern steigt auf 300 Prozent an 1200 1000 2020-12-04 09:44:14 Online-Casino.de

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