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Tatbestand des Wettbetrugs: Ins Strafgesetzbuch aufgenommen

Martin Hill, 10. August 2017, Recht & Gesetze

Sportwetten: Einfaches Hobby oder gefährliches Glücksspiel? (Bildquelle)

Wettbetrug ist kein abstruses Verbrechen, welches nur außerhalb der deutschen Gerichtsbarkeit ausgeübt wird. Auch innerhalb der Bundesrepublik, bei Partien der 2. Bundesliga und 3. Liga, sind nachweislich bereits Unregelmäßigkeiten aufgetreten. Für die Integrität des Sports, im Interesse der Vereine und Fans, sollen künftige Manipulationen auf sportlicher Ebene sanktioniert werden. Bislang liegt ein Referenzentwurf mit Titel „Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe“ vor.

Im zweiundzwanzigsten Abschnitt des Strafgesetzbuches, welches sich mit dem Betrug beschäftigt, ist der neue Tatbestand zu finden. Nach dem Computerbetrug, Subventionsbetrug, Kapitalanlagebetrug, Versicherungsmissbrauch, dem Erschleichen von Leistungen und dem Kreditbetrug, fügen sich die drei neuen Paragraphen in Bezug auf Sportwetten ein. Es handelt sich um den Sportwettbetrug (§ 265c) und die Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben (§ 265d), sowie um besonders schwere Fälle des Sportwettbetrugs und der Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben (§ 265e). Während die Paragraphen schon seit Monaten im Gesetzbuch zu finden sind, hat ein relativ aktueller Fall aus der 3. Liga sie direkt in den Fokus gerückt.

Einblick in den Straftatbestand „Sportwettbetrug“

Der erste Absatz zum Sportwettbetrug beschäftigt sich mit den Trainern und Spielern. Wenn diese von einem Dritten eine Gegenleistung geboten bekommen, um den Verlauf des Wettbewerbs zu verändern, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren Gefängnis oder mit einer Geldstrafe belegt werden. Während der erste Absatz sich auf die Sportwetten an sich bezieht, hat der zweite Abschnitt die Integrität des Wettbewerbs allein zum Ziel. Denn dort heißt es, dass das Ergebnis nicht absichtlich zugunsten des gegnerischen Teams verändert werden darf. Erneut ist auch hier eine Gegenleistung als Tatbestand notwendig. Der dritte Absatz geht auf die Schiedsrichter, Kampf- oder Wertungsrichter ein, die ebenso wenig einen Vorteil finanzieller Art oder in Form anderer Leistungen als Ausgleich für die versprochene Veränderung des Ergebnisses eines Wettbewerbs annehmen dürfen. Natürlich trifft die Strafe auch die Partei, welche sich der Bestechung des Unparteiischen schuldig macht. Weiterhin wird der Begriff „Wettbewerb des organisierten Sports“ erklärt, welcher in den Paragraphen regelmäßig Anwendung findet.

Wettbewerb des organisierten Sports: „Jede Sportveranstaltung im Inland oder Ausland, die von einer nationalen oder internationalen Sportorganisation oder in deren Auftrag oder mit deren Anerkennung organisiert wird und bei der Regeln einzuhalten sind, die von einer nationalen oder internationalen Sportorganisation mit verpflichtender Wirkung für ihre Mitgliedsorganisation verabschiedet werden.“

Einblick in den Straftatbestand „Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben“

Erneut wird zunächst eine Freiheitsstrafe von drei Jahren in Aussicht gestellt, wenn ein Trainer oder Sportler einen Vorteil für sich oder einen Dritten annimmt. Natürlich bedingt dieser Tatbestand einen Dritten, der als Ausgleich eine Gegenleistung fordert. Hierbei steht die Veränderung des Verlaufs oder Ergebnisses eines berufssportlichen Wettbewerbs im Fokus. Prinzipiell ist dieser Paragraph dem vorangegangenen sehr ähnlich, nur dass der Wettbetrug selber ausgeklammert wird. Dementsprechend gibt es ähnlich lautende Regeln für Schiedsrichter, Sportler und Trainer in Bezug auf das Verschieben von Ereignissen im Sport. Weiterhin wird in diesem Sinne der „berufssportliche Wettbewerb“ definiert. Dieser bezieht sich in Erweiterung des Wettbewerbs des organisierten Sports zuzüglich auf das Erzielen von Einnahmen durch sportliche Betätigung.

Einblick in den Straftatbestand: Besonders schwere Fälle des Sportwettbetrugs und der Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben

Es handelt sich um eine Bestrafung, welche die Tatbestände der vorangegangenen Paragraphen bündelt. Dies ist folgendermaßen beschrieben: „Ein besonders schwerer Fall liegt vor, wenn die Tat sich auf einen Vorteil großen Ausmaßes bezieht oder der Täter gewerbsmäßig handelt oder als Mitglied einer Band, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat.“ Die Freiheitsstrafe kann hier auf bis zu fünf Jahre ausgeweitet werden. Die entsprechenden Gesetze sind am 19. April 2017 in Kraft getreten.

Von der Theorie des Wettbetrugs in die Praxis

Sind Schiedsrichter das schwächste Glied beim Wettbetrug? (Bildquelle)

Medial schlägt Wettbetrug vergleichsweise kleine Wellen. Dass Neymar für über 200 Millionen Euro von Barcelona nach Paris wechselt, ist durch alle Zeitungen gegangen. Der Manipulationsverdacht von Profi-Fußballern aus Osnabrück im Mai 2017 hat hingegen kaum jemand mitbekommen. Dabei ging es um nicht weniger, als um den Abstiegskampf in der 3. Liga. Der Deutsche Fußball Bund bekam entsprechende Hinweise und hat Ermittlungen angestellt. Demzufolge durften drei Spieler, die der Tat verdächtigt wurden, nicht am Spielgeschehen teilnehmen. Der DFB hat umgehend Strafanzeige gestellt. Auch die Ethikkommission wurde eingeschaltet. Die Spieler des VfL Osnabrück sollen von den Bremer Spielern Gegenleistungen gefordert haben, dass sie sich im Spiel gegen Paderborn bemühen. Denn für Bremen und Paderborn ging es noch um den Klassenerhalt. Drei Spieler wurden gesperrt. Osnabrück spielte 0:0 gegen Paderborn und Bremen gewann mit 1:0 gegen den VfR Aalen. Damit stieg Paderborn ab.

Kritik an der Einführung der neuen Paragraphen zum Wettbetrug

In Bezug auf die Untersuchung dreier Spieler von Osnabrück gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Womit wir zu einem Aspekt des Gesetzes kommen, welches vielen Experten Kopfschmerzen bereitet. Die Tatbestände sind von dem Gesetzgeber nachzuweisen. Und dies wird im Zweifel immer schwierig sein. Verdeckte Ermittlungen via Telefonüberwachung sollen daher erlaubt werden. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Verfahren ohne Ergebnis eingestellt werden. Wichtiger als die Bestrafung scheint jedoch eine größere Investition in Frühwarnsysteme, wie Sportradar.

Tatbestand des Wettbetrugs: Ins Strafgesetzbuch aufgenommen 300 250 2017-08-10 16:20:35 Online-Casino.de

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