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Trotz Casino-Hoheit breitet sich die Spielsucht in der Schweiz aus

Dieter Maroshi, 20. September 2021, Sport & Spiel

Glücksspiel in der Schweiz (Bildquelle)

Bereits im Jahr 2018 entschieden sich die Schweizer für einen Ausschluss der Online-Casinos aus dem Hoheitsgebiet. Doch galt dies nur für die virtuellen Spielbanken, die ihren Geschäftssitz im Ausland haben. Gleichwohl sollten die einheimischen Casino gefördert und bestenfalls natürlich auch die Steuern im Land gehalten werden. Was ist also passiert? Ausländische Anbieter dürfen nicht mehr legal in der Schweiz Casino-Spiele anbieten. Im Gegenzug haben die landbasierten Spielbanken eigene Homepages mit einem Spieleangebot eingerichtet. Kürzlich veröffentlichte Zahlen legen jedoch nahe, dass die Spielsucht-Problematik in der Schweiz zugenommen hat.

Allerdings ist diese Zunahme wohl nicht in erster Linie auf das Geldspielgesetz, die Netzsperren und die einheimischen Casino-Anbieter zurückzuführen. Denn die Pandemie hat hier sehr stark dazu beigetragen. Dabei gab es gleich mehrere verstärkende Faktoren. Einmal musste viel im Homeoffice gearbeitet werden. Dort ist es leichter der Versuchung zu erliegen abzuschweifen oder zu spielen. In einigen Branchen war gar kein Arbeiten möglich. Da suchten wohl viele Schweizer Ablenkung im Glücksspiel. Es gab im letzten Jahr mehr Sperren und Experten rechnen mit einem Zuwachs an Spielsüchtigen. Doch was ist die Lösung in einem Land, wo die Glücksspielgesetzgebung gerade erst in 2018 reformiert wurde?

Spielsucht in der Schweiz: Glücksspiel-Probleme der Eidgenossen

Ein kurzer Rückblick muss sein. Denn schon 2018 berichteten wir über die Abstimmung zum Geldspielgesetz und für Netzsperren. Damals entschied sich das Volk für einen Ausschluss der ausländischen Anbieter. Einer der Hauptgründe, die genannt worden sind, war der Spielerschutz. Die Schweizer wollten das Glücksspiel lieber in heimischer Hand sehen. Und so ist es gekommen. Doch der Spieler- und Jugendschutz wurde dadurch nicht automatisch erhöht. Tatsächlich wäre die Pandemie eine Lage gewesen, die nur mit einheimischen Anbietern leichter zu kontrollieren ist. Es hätten im Vorfeld Maßnahmen zum Schutz der Spieler ergriffen werden können. Zum Beispiel wäre es eventuell sinnvoll gewesen, ein temporäres Einzahlungslimit einzuführen. Oder zumindest ein Meldesystem, welches Kunden herausfiltert, die vermutlich über ihren Verhältnissen spielen. Natürlich gibt es in der Schweiz Schutzmechanismen. Daher kam es 2020 zu 10.000 neuen Spielersperren. Doch dies ist eine alarmierende Zahl.

Ein Rückblick auf die Jahre 2019 und 2018 zeigt, dass es damals jeweils nur ungefähr 4.000 Sperren gewesen sind. Zum „Corona-Jahr“ hat also ein deutlicher Anstieg stattgefunden. Casinos wurden während der Pandemie zeitweise geschlossen. Umgekehrt erblickten weitere Schweizer Online-Casinos das Licht der Welt. Tatsächlich setzt die Schweiz pro Jahr 650 Millionen Franken im Glücksspiel um. Das sind knapp 595 Millionen Euro. Was ist also geschehen? Landbasierte Casinos mussten zeitweise schließen. Das Online-Angebot wurde ausgeweitet. Der Spielerschutz wurde jedoch nicht erweitert. Die Folge: Es gab einen Anstieg an Spielersperren um mehr als 100 Prozent pro Jahr. Die Stiftung Sucht Schweiz spricht davon, dass es einerseits am Bezug zu den gesetzten Beträgen fehle und andererseits die soziale Kontrolle ausbleibe. Schätzungsweise sind drei Prozent der Schweizer Bevölkerung von einer Spielsucht betroffen. In realen Zahlen reden wir also von 200.000 Eidgenossen mit einem Suchtproblem.

Sperre umgehen: Der Weg nach Liechtenstein ist mitunter kurz. Zumindest offline ist eine Sperre daher nicht zwingend ein Hindernis.

Wo müssen die Schweizer in Sachen Spielerschutz ansetzen?

Besser Spielsucht vorbeugen, als nachsorgen. (Bildquelle)

Um in der Schweiz eine Konzession zu erhalten, sind gemäß Artikel 8 Schweizer Geldspielgesetz einige Bedingungen zu erfüllen. Darunter ist unter 2) ein Sicherheits- und Sozialkonzept genannt. Springen wir zu Kapitel 5, so ist dort in Artikel 42 das Konzept näher vorgestellt. Die Dokumentation von Verantwortlichkeiten, das Gewinnermittlungsverfahren und weitere Argumente werden dort vorgebracht. Unter b) steht Folgendes geschrieben: „Das Sicherheitskonzept sieht insbesondere Maßnahmen vor, die gewährleisten, dass ein Kontrollsystem betrieben wird, das die Spieleinsatz- und Gewinnauszahlungstransaktionen überprüft und dokumentiert.“ Wegen dieses Kontrollmechanismus kamen jetzt aber dennoch mehr Spielersperren zustande. Auch die Zahl an Süchtigen soll gestiegen sein. Diesbezüglich scheint es daher ratsam an der Früherkennung zu arbeiten.

Überdies gibt es einen weiteren Stein des Anstoßes. Nämlich die Werbung in der Schweiz für die CH-Casinos. Auch während der Pandemie oder gerade dann, wurde nämlich vermehrt geworben. Im Schweizer Fernsehen war das Online-Glücksspiel omnipräsent. Einerseits wurden also die ausländischen Casinos ausgeschlossen. Andererseits verhalten sich die heimischen Spielbanken was den Schutz, die Werbung und andere Dinge angeht kaum seriöser. Dies bestärkt die Kritiker, dass die Entscheidung zur Netzsperre eine Lobby-Entscheidung gewesen ist, welche die staatlichen Spielbanken fördert. Daher fordert die Stiftung Spielsucht Schweiz eine Einschränkung bei der Werbung für Glücksspiele, sowie die Schaffung eines unabhängigen Expertengremiums. Das Gremium könnte als Schnittstelle fungieren und die Behörden, aber ebenfalls die Anbieter beratend unterstützen. Spielsucht ist natürlich kein exklusives Problem der Online-Casinos. Denn bei den Lotterien und Wetten wurden sogar eine Milliarde Schweizer Franken verspielt. Die Casinos kamen auf 650 Millionen Schweizer Franken.

Vorbild Deutschland? Mit einer solchen Aussage sollte gewartet werden. Zwar reformiert die Bundesrepublik derzeit sein Gesetz. Doch die Behörde ist erst 2023 voll einsatzfähig. Und wie gut der Spielerschutz im Anschluss funktioniert, gilt es erst noch einmal abzuwarten. Doch mit übergreifenden Spielersperren und Einzahlungslimits sind die Voraussetzungen für einen effektiven Spielerschutz geschaffen.

Trotz Casino-Hoheit breitet sich die Spielsucht in der Schweiz aus 1200 1000 2021-09-20 08:54:53 Online-Casino.de

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