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Übergang zum neuen GlüStV sorgt für Wettbewerbsverzerrung

Christian Webber, 15. Februar 2021, Wirtschaft

Glücksspielstaatsvertrag 2021 ratifiziert / Shutterstock.com

Normalerweise belebt Wettbewerb das Geschäft. Doch für Online-Casinos ist ein Vergleich derzeit kaum möglich. Ende 2020 hat Deutschland Übergangsregeln geschaffen. Ab dem Juli 2021 sollen diese dank des neuen Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV) rechtlich abgesichert sein. Doch im Vorfeld der offiziellen Umsetzung gestaltet sich der Wettbewerb verzerrt. Denn einige Anbieter halten sich schon jetzt strikt an die künftig verbindlichen Vorgaben. So ist es von der Regierung eigentlich gewollt. Andere Wettbewerber setzen nur einen Teil des künftigen Regelwerks schon jetzt um. Andere arbeiten weiter, wie in den letzten Jahren auch. Und ein Anbieter legte den Finger kürzlich in die Wunde.

Namentlich ist LeoVegas zu nennen. Denn das Aktienunternehmen, welches an der Börse derzeit mit 4,18 Euro notiert ist, legte kürzlich seinen Finanzbericht vor. Dieser bezieht sich auf das vierte Quartal 2020. Der Aktienkurs stieg, weil der Umsatz im Vergleich um 13 Prozent zugelegt hat. Neben der Tatsache, dass sich Italien für LeoVegas zu einem der besten Märkte entwickelt hat, ist auch Deutschland im Bericht vertreten. Denn LeoVegas prangert dabei aktiv die Änderungen an, welche im vierten Quartal 2020 – besonders im Dezember – zu einem Umsatzrückgang geführt haben. Wir möchten diese Anpassungen, welche die Online-Casinos vorzunehmen haben, noch einmal im Detail analysieren.

Regeln für den GlüStV 2021 und wie sie aktuell den Wettbewerb verzerren

Seit 2012 tut sich mal wieder etwas in der deutschen Glücksspielgesetzgebung. Scheinbar nehmen die Unternehmen dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn natürlich wünschen sich die Wettbewerber eine gültige Regulierung. Sie wollen legal auf dem Markt Deutschland tätig sein. Doch wollen Online-Casinos ebenso Umsätze erzielen. Sonst macht der Betrieb einer virtuellen Spielbank keinen Sinn. Folgende Regeln, die verbindlich am Juli 2021 gelten sollen, könnten dabei zu einem Stolperstein werden.

Verbot von Live-Casino-Spielen: Internet-Casinos haben für gewöhnlich einen Kundenstamm. Jetzt sind die Live-Games, wie Roulette oder Blackjack, weggebrochen. Zumindest wenn sich der Anbieter schon jetzt an das künftige Regelwerk hält. Dies machen die seriösen Spielcasinos zum großen Teil. Die Folge: Die Spieler wandern zu den Online-Casinos ab, die noch ihre liebsten Tischspiele im Angebot haben. Wer sich an das Verbot von Live-Casino-Spielen hält, ist benachteiligt. Und aktuell haben die Wettbewerber scheinbar noch nix zu befürchten.

Limit beim Einsatz: Wie im vorangegangenen Abschnitt erläutert, fallen die Tischspiele weg. Was bleibt sind die Spielautomaten. Doch auch hier greift der Gesetzgeber regulatorisch ein. Denn das Einsatzlimit beziffert sich künftig nur noch auf einen Euro je Runde. Dies macht Einsatzstrategien weniger interessant. Und Highroller, also Spieler die gerne hohe Summen setzen (weil sie es sich leisten können), verlieren das Interesse. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Kunden jetzt anderswo anmelden, wo noch höhere Geldeinsätze erlaubt sind, ist wahrscheinlich.

5 Sekunden Pause zwischen zwei Runden: Bei einem Automatenspiel ist es normalerweise möglich, immerhin von wenigen Sekunden diverse Spins zu absolvieren. Hier eine kurze Pause einzufügen, damit die Kunden ein wenig mehr in der Wirklichkeit leben, scheint sinnvoll. Doch erneut halten sich jetzt ja noch nicht alle Wettbewerber an diese Regel. Wem es derzeit am gewohnten Tempo fehlt, der sucht sich halt einen Casino-Anbieter, der diese Pause-Funktion noch nicht implementiert hat.

Euro Einzahlungslimit: Vermutlich wird diese Hürde einen Großteil der Spieler nicht schrecken. Denn wer setzt schon solch hohe Summen ein? Erneut sind es die Highroller, die leiden. Und diese könnten sich diese Beträge durchaus leisten. Eventuell lässt sich das Limit über die Vorlage des Kontostandes oder des Verdienstes erhöhen. Doch dieser Aufwand ist größer, als sich einfach ein Online-Casino zu suchen, wo nicht nur hohe Summen eingezahlt werden dürfen, sondern vielleicht ebenso ein höherer Grundeinsatz, sowie die Tischspiele weiterhin erlaubt sind.

Wer sich an die Duldungsverfügung hält hat das Nachsehen

Ist die Duldung ungerecht? / Shutterstock.com

Im Oktober 2020 hat sich die Politik dazu durchgerungen, die Online-Casinos zu dulden. Im Gegenzug sollten die Anbieter jedoch dazu verpflichtet werden, schon jetzt die künftigen Regeln einzuhalten. Die obige Aufführung gibt diesbezüglich einen Einblick. Doch offiziell greift der GlüStV erst im Juli 2021. Rechtlich gibt es also keine Veranlassung sich schon jetzt zwingend an die neuen Vorgaben zu halten. Schlimmer noch. Wer sich daran hält, ist aktuell irgendwie der Gelackmeierte. Denn die eigene Attraktivität sinkt. Immerhin fehlen das Live-Casino und Anreize für Highroller. Auch die Geschwindigkeit des Spiels leidet.

Was bekommen die Casinoseiten im Gegenzug dafür, dass sie sich schon jetzt an künftig geltendes Recht halten? Eventuell steht hier die Zusage im Raum, eine deutsche Lizenz ausgestellt zu bekommen. Doch darf dies anderen Anbietern überhaupt verwehrt werden, die sich erst am dem 1. Juli 2021 an geltendes Recht halten? Immerhin greift der GlüStV erst ab dann. Aktuell ist benachteiligt, wer sich an die Vorgaben hält. Obendrein ist eine wichtige Frage noch ungeklärt: Wie sollen künftig Online-Casinos belangt werden, die sich außerhalb der gesetzlichen Normen bewegen. Hier hat es in den letzten Jahren schon an einem konkreten Plan gefehlt. Netzsperren wären einfach zu umgehen. Und eine natürliche Kanalisierung tritt eventuell nicht ein, wenn die legalen Angebote zu unattraktiv sind.

Übergang zum neuen GlüStV sorgt für Wettbewerbsverzerrung 1200 1000 2021-02-15 09:00:12 Online-Casino.de

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