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Warum hält der Freistaat Bayern an defizitären Casinos fest?

Martin Hill, 25. Juni 2018, Wirtschaft

Senior im Casino (Bildquelle)

Dem Freistaat Bayern gehören neun Casinos. Allerdings haben sechs Spielbanken im Jahr 2017 einen Verlust hinnehmen müssen. Daraus resultiert eine Zuzahlung vom Land in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Diese Finanzspritze wird unter dem Titel Ausgleichszuschuss an staatliche Casinos ausgewiesen. Jetzt stellt sich die Frage, warum der Freistaat sich nicht von diesen unprofitablen Spielbanken trennt.

Rein prinzipiell gäbe es hierbei unterschiedliche Möglichkeiten. Einerseits könnten einige Spielbanken geschlossen werden. Die dort ausbleibenden Spieler würden sich auf die übrigen Casinos verteilen und dort für einen Gewinn sorgen. Allerdings könnten auf diesem Wege auch Kunden in benachbarte Bundesländer abwandern. Eine Alternative wäre die Privatisierung der Casino-Standorte.

Spielbanken im Freistaat: Wo Gewinn und Verlust nah beieinander liegen

Für die Besucher eines Casinos ist es überschaubar. Sie gehen an den Roulettetisch und setzen 10 Euro auf Schwarz. Haben sie Recht, so bekommen sie 20 Euro ausgezahlt. Erscheint Rot oder die Null, so ist der Einsatz hingegen verloren. Die Spielbanken im Freistaat Bayern müssen jedoch über einen längeren Zeitraum denken. Außerdem ist der Begriff der Wirtschaftlichkeit hier greifbarer, als beim klassischen Casino-Glücksspiel. Denn im Zweifel gewinnt ja doch immer das Haus. Dies gilt natürlich nur, sofern die Kosten für die Miete, Personal und weitere Ausgaben den Umsatz am Standort nicht überschreiten. Nun ist es jedoch so, dass von den neun Spielbanken in Bayern nur drei Stück im Geschäftsjahr 2017 einen Gewinn einfahren konnten. Dagegen stehen also sechs Casinos, die ihren Bericht mit einem Verlust abgeschlossen haben.

Blicken wir zunächst nach Bad Wiessee. Denn dort steht das profitabelste Casino in Bayern. Der jährliche Gewinn beziffert sich auf mehr als fünf Millionen Euro. Die anderen staatlichen Casinos können hier nicht mithalten. Schlimmer noch: Nehmen wir die Standorte Bad Steben in Oberfranken und Bad Kötzting in der Oberpfalz als Beispiel, so verlieren diese beiden Spielcasinos in einem Geschäftsjahr über fünf Millionen Euro und gleichen damit den Erfolg von Bad Wiessee im negativen Sinne wieder aus. Leider finden sich in Bayern aktuell mehr unprofitable als profitable Casinos. Daraus resultiert ein Verlustgeschäft, welches sich in einer Größenordnung von 2,2 Millionen Euro einpendelt. Da die Spielbanken in staatlicher Hand sind, äußern sich die Steuerzahler mit Unmut über dieses Defizit. Forderungen werden laut, dass der Freistaat sich zumindest teilweise von den Glücksspiel-Tempeln trennen soll.

Abgabe an den Staat: 25 Prozent des Umsatzes wandern gewissermaßen an den Fiskus. Würden wir diesen Ausgabeposten nicht einbeziehen, so wären nur noch vier der neun Casinos im Freistadt unprofitabel. Generell entwickelt sich das Glücksspiel in Deutschland prächtig.

Staat und Glücksspiel: Zwischen Kontrolle und Gewinnstreben

Stimmen die Zahlen nicht, braucht es Alternativen (Bildquelle)

Rolf Baron von Hohenau äußert sich in seiner Rolle als Vertreter vom Bund der Steuerzahler in Bayern bezüglich einer möglichen Lösung des Dilemmas: „Ich meine, dass man die Spielbanken, die profitabel sind aufrechterhalten soll und zwar nicht, um dort Gewinne zu erwirtschaften, sondern um Menschen zu helfen, die diese Sucht haben. Auf der anderen Seite muss man schauen, ob man die auf dem Land, die nicht profitabel sind auflöst oder profitabel gestaltet.“ Um nochmals auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, warum der Staat die Spielbanken hält, ist auch die Verantwortung zu erwähnen. Dem Freistaat geht es hierbei nicht nur um das Gewinnstreben, sondern um die Aufrechterhaltung eines seriösen und kontrollierten Spiels.

Die Finanzminister in Bayern, Albert Füracker, sieht die Casinos selber gar nicht in der Schuld für die defizitäre Phase: „Die Frage Rauchverbot – in anderen Ländern nebenan zum Beispiel in Tschechien ist es anders. Die Frage der Altersbeschränkung – bei uns darf man erst ab 21 in eine Spielbank, im Ausland schon ab 18. Das sind Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten.“ Diese Auffassung ist zweifelsohne richtig. Allerdings sprechen wir hier vermutlich von einem vergleichsweise kleinen Kundenkreis, der dadurch verloren geht. Durch die Abgaben an den Staat wurden weiterhin 815 Millionen Euro seit dem Jahr 2000 nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung einbezogen. Diese Betrachtung hellt das Ergebnis ein wenig auf.

Was spricht für den Erhalt sämtlicher Spielbanken? Zunächst einmal sind die Arbeitsplätze ein Thema. Weiterhin soll für Glücksspieler ein sicheres Umfeld geschaffen bleiben. Und schließlich haben die Casinos das Potential, Gewinne einzufahren.

Die FDP im Freistaat Bayern möchte die Casinos privatisieren

Die FDP scheint derzeit als Einzelkämpfer gegen die Casinos im Freistaat aufzutreten – zumindest gegen die Spielbanken, die aktuell Verluste einfahren. Die übrigen Parteien sind dem Konzept der staatlichen Spielbank zugetan. Die Grünen jedoch bringen den Gedanken ein, einige Spielbanken in die Städte zu verlagern. Denn dort sitzen die Spieler und nicht auf dem Land. Eine kürzere Anreise wäre mit mehr Besuchern und gleichwohl mit größeren Einnahmen verbunden. Nach dieser Logik wollen die Grünen die Casinos in Nürnberg, München und Augsburg sehen. Martin Hagen von der FDP bringt sich hingegen für eine Privatisierung ein. Dabei würden die Betreiber Auflagen vom Staat erhalten. Mit diesen Rahmenbedingungen sollte es möglich sein, für die Veranstalter ein wirtschaftliches Geschäft und für den Staat eine seriöse Spielbank zu erhalten.

Online Spielbanken betreiben Kundenklau: Dieser Aspekt ist bislang noch nicht eingeflossen. Aber das große Angebot der Online-Casinos raubt den staatlichen Spielbanken natürlich ebenfalls Besucher. Steht staatliches Glücksspiel damit vor dem Aus?

Warum hält der Freistaat Bayern an defizitären Casinos fest? 1200 1000 2018-06-25 15:58:37 Online-Casino.de

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