Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Warum misslingt Bayern der Abbau von Spielautomaten?

Ralf Schneider, 9. November 2018, Sport & Spiel

Glücksspiel weiter auf Erfolgskurs (Bildquelle)

Praktisch in ganz Deutschland wurde das Ziel ausgelobt, den Abbau von Spielautomaten voranzutreiben – so auch im Bundesland Bayern. Doch will der Prozess im Süden nicht so recht vorankommen. Im Gegenteil: Ein Rückgang der Spielhallen und generell der Automatenspiele um nicht einmal drei Prozent innerhalb von zwei Jahren ist ein Armutszeugnis. Doch woran liegt es, dass die Betreiber sich gegen die geplanten Schließungen oder die Reduzierung der Automaten wehren können?

Wenn wir die Zahlen vergleichen, so ist der Misserfolg deutlich zu bemessen. Waren es im Jahr 2016 noch 21.480 Spielautomaten in Bayern, so sind es zwei Jahre später weiterhin 20.915 Geldspielgeräte. Die Länder sind für die Glücksspielgesetzgebung derzeit weitestgehend selbst zuständig. Daher ist es zwar kein Problem, welches im südlichsten Bundesland exklusiv zu beobachten ist. Dennoch haben andere Bundesländer Erfolge vorzuweisen. Hamburg reduzierte die Geräte um 26,8 Prozent. Sachsen und Niedersachsen gelang ein Abbau von 20 Prozent. Warum also scheitert gerade Bayern?

Gründe für den fehlenden Automaten-Abbau in Bayern

Die Fakten sind der Erhebung „Angebotsstruktur der Spielhallen und Geldspielgeräte in Deutschland“ entnommen. Dort wird auf den § 25 Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) verwiesen, welcher den Mindestabstand zwischen Spielhallen, das Verbot von Mehrfachkonzessionen und natürlich auf die Erlaubnis der Länder, die Erlaubnisse zu begrenzen Bezug genommen. Und gerade in Bayern, dem Bundesland mit den zweitmeisten Einwohnern in Deutschland, sind kaum Fortschritte zu erkennen. So ist der Rückgang von 1.083 auf 1.076 Spielhallenstandorte kaum nennenswert. Die Konzessionen wurden von 2.020 auf 1.966 abgebaut. Gerade hinsichtlich der Mehrfachkonzessionen, wo mehrere Spielhallen eines Betreibers in einem Gebäudekomplex untergebracht sind, ist Bayern das Schlusslicht. Mit 1,82 Spielhallenkonzessionen pro Spielhallenstandort handelt es sich um den schlechtesten Wert der Bundesländer. Zum Vergleich: Bremen kommt auf 1,16 Konzessionen je Standort.

Doch worin liegt dieses Scheitern hinsichtlich der Umsetzung der Vorgaben aus dem GlüStV begründet? Von der Landesstelle Glücksspielsucht (LSG) meldet sich Konrad Landgraf zu Wort: „Normalerweise ist ein Härtefall eine Ausnahme, bei uns ist es vielmehr so, dass er die Regel wurde.“ Weiterhin spricht er von einem „ernüchternden Bild“ und fordert die kommende Regierung auf, die Reduzierung der Spielautomaten voranzutreiben. In der Verwaltung wurde schon im letzten Jahr auf individuelle Entscheidungen verwiesen, welche hinsichtlich der Spielotheken getroffen werden. Der Beurteilungsspielraum wurde positiv für die Betreiber ausgelegt, die oftmals ein Konzept vorlegten, um das Gefahrenpotential hinsichtlich der Sucht in der Spielhalle zu vermindern.

Rückblick in Bayern: In den Jahren 2006 bis 2016 hat die Anzahl der Geldspielgeräte im Freistaat um 100 % zugenommen. 2016, nach dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften, schlossen jedoch nur sechs Spielhallen.

Über die Ungenauigkeit der Erhebung und zukünftige Entwicklungen

Automaten in der Kritik (Bildquelle)

Wenn von 20.915 Spielautomaten die Rede ist, so muss hinzugefügt werden, dass nur Städte mit über 10.000 Einwohnern statistisch erfasst sind. Gleichwohl wurde auf eine Erhebung der Geräte in Kneipen und der Gastronomie verzichtet. Daher liegt die eigentliche Zahl der Automaten in Bayern noch höher. Der LSG machen diese Zahlen sorgen. Denn es wird allein im Freistaat von 33.000 Pathologischen Spielern ausgegangen. Weitere 35.000 Personen sollen ein problematisches Spielverhalten an den Tag legen. Die Ratsuchenden bei der Landesstelle kommen im Durchschnitt mit 24.000 Euro Schulden an. Herauszustellen ist hierbei, dass drei Viertel der Ratsuchenden die Automaten bevorzugen.

Umgekehrt ist es fraglich, ob ein Abbau der Spielhallen die Anzahl der Spielsüchtigen vermindert. Immerhin gibt es die Konkurrenz aus dem Internet. Online-Casinos sind nach wie vor eine Wachstumsbranche. Potentielle Spieler werden zudem im Fernsehen mit Werbung für Glücksspiele beschallt. Gleichwohl verweist der Verband Deutsche Automatenwirtschaft auf eine „verfehlte Regulierung“. Hierbei wird insbesondere die Reduzierung der Angebote nach Größe und Abstand und nicht nach qualitativen Maßstäben angeprangert. Vorschläge hinsichtlich der Sicherheit, wie eine bundesweite Sperrdatei und Zugangskontrollen in Spielhallen, sind längst unterbreitet. Hierbei stimmen die Ansichten mit der LSG überein. Gerade in Bayern fehlt es derzeit noch am Rechtsanspruch auf eine Spielersperre.

Gewinn an Geldspielgeräten: In Bayern wuchs die Kluft zwischen getätigten Einsätzen und bezahlen gewinnen. Ein Anstieg im Vergleich mit 2016 um 47 Millionen, lässt die Zahl auf 673 Millionen Euro anwachsen.

Schweinsteiger wirbt nicht, er klärt auf!

Bastian Schweinsteiger ist Weltmeister, Vize-Europameister, Champions-League-Sieger, achtfacher Deutscher Meister und siebenfacher Pokalsieger. Wenn er redet, hören nicht nur Sportbegeisterte zu. Und derzeit ist der Fußballer in einer Kampagne vom Verband Deutsche Automatenwirtschaft im TV zu sehen und zu hören. „Fairness ist etwas, das muss man immer wieder auf Neue vorleben“, so Schweinsteiger im Spot. „Deshalb braucht es legale Spielhallen, die sich an Recht und Gesetz halten“, heißt es weiterhin. Neben der Fernsehwerbung wurden 3.500 Plakate in Deutschland angebracht.

Suchtexperten sehen diese Aufklärungskampagne jedoch kritisch. Sie behaupten sogar, es sei eine Werbekampagne. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung führt die Vorbildfunktion des Fußball-Profis an und auch die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern spricht von einer problematischen Kampagne. Lukas Podolski und Oliver Kahn haben bereits Werbung für Glücksspielanbieter gemacht. Bei Schweinsteiger ist der Aufschrei jedoch größer. Denn einerseits hat er sich in der Vergangenheit gerne als moralisches Vorbild positioniert und andererseits wird sein Clip offiziell als Aufklärung ausgegeben.

Warum misslingt Bayern der Abbau von Spielautomaten? 1200 1000 2018-11-09 09:41:00 Online-Casino.de

Weitere Casino News