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Wettanbieter im UK planen erweiterten Spielerschutz

Ralf Schneider, 6. November 2019, Sport & Spiel

Welche Live-Wetten bleiben erlaubt? / Shutterstock.com

Beim Thema Glücksspiel geht es im United Kingdom gerade drunter und drüber. Denn zunächst kam in Großbritannien von den Parlamentariern die Forderung, das Einsatzlimit bei Online-Wettanbietern auf 2 Pfund zu reduzieren. Die Branche reagierte sofort – und zwar im doppelten Sinne. Einmal waren die Anleger tätig. Viele veräußerten ihre Glücksspielanteile. Der Aktienkurs britischer Glücksspielunternehmen gab dementsprechend um knapp 1,2 Milliarden Pfund nach. Jetzt hat sich die Branche in Windeseile einen Plan ausgedacht, um weiterer Reglementierung zu entrinnen. Es wurden selber Vorschläge vorgelegt, wie der Spielerschutz besser umzusetzen ist.

Zehn Unternehmen auf dem Glücksspielmarkt haben sich zu dieser, ein Stück weit erzwungenen, Freiwilligkeit verpflichtet. Es sind Maßnahmen vorgestellt worden, deren Einhaltung für die Firmen jetzt Priorität hat. Der Geschäftsführer von Flutter Entertainment, früher unter dem Namen Paddy Power Betfair bekannt, bekräftigte den Wunsch der Branche, verantwortungsbewusst zu handeln. Doch natürlich ist die Selbstreglementierung aus dem Bestreben heraus entstanden, einer zentralen Vorschrift entgegenzuwirken.

Wettanbieter stellen Maßnahmen zum Spielerschutz vor

Eine Begrenzung der Einsatzlimits auf zwei Euro wäre für die Branche ein herber Schlag. Als ein entsprechendes Gesetz für das United Kingdom diskutiert wurde, haben die großen Namen der Branche so schnell wie möglich gehandelt. Namentlich sind hier insbesondere William Hill, Bet365, Ladbrokes Coral, GVC und Flutter Entertainment zu nennen. Dass es sich hierbei um eine breite Gruppe von Glücksspielunternehmen handelt, die den Markt in Großbritannien zum sehr großen Teil unter ihrer Kontrolle haben, wiegt schwer. In Eile wurde ein Maßnahmenpaket zusammengestellt, welches die Schäden durch Glücksspiele verringern soll. Tatsächlich hat die Branche fünf Zusagen gemacht. Diese sollen nicht nur von einer unabhängigen Stelle überwacht werden. Sogar eine öffentliche Berichterstattung ist angedacht.

Nachfolgend möchten wir die geplanten Maßnahmen vorstellen:

Verhinderung des Spielens Minderjähriger und Schutz junger Menschen.

Unterstützung für die Behandlung von durch Glücksspiel entstandenen Beeinträchtigungen

Stärkere Einschränkungen hinsichtlich der Werbung und des Marketings.

Erweiterter Schutz und Stärkung der Rechte von Kunden.

Förderung einer Kultur sicheren Spielens.

Zuerst hatten die Parlamentarier ihren Schritt gemacht und ein Limit in Höhe von 2 Pfund je Einsatz gefordert. Die Branche versucht diese Einschränkung mit anderen Zugeständnissen jetzt zu umgehen. Es wurden Zusagen gemacht. Hervorzuheben ist hierbei, dass die Überwachung von der Senet-Gruppe durchgeführt werden soll. Hierbei handelt es sich um eine Einrichtung, die von der Industrie finanziert ist. Sie soll die Standards in der Glücksspielbranche erhöhen und in diesem Sinne der Glücksspielkommission in Großbritannien zuarbeiten. Zielstellung sind sichere und gerechtere Dienstleistungen. Zuerst ist die Gruppe mit dem Slogan „Wenn der Spaß aufhört, hört auf“ aufgefallen. Doch inzwischen behaupten Experten, dass der Einfluss auf das Spielverhalten der Kunden dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Vermeiden freiwillige Zusagen das 2-Pfund-Limit für Online-Wettanbieter?

Lässt sich die Einsatzgrenze umgehen? / Shutterstock.com

„Diese Zusagen sind ein wichtiger Schritt für die Branche und signalisieren den echten Wunsch verantwortungsbewusstes Handeln als Herzstück des Geschäfts zu etablieren“, äußerte sich Flutter-Chef Peter Jackson. Tatsächlich gibt es einige Aspekte der obigen Auflistung, welche von den Unternehmern noch näher ausgeführt wurden. So ist bereits ein Maßnahmenpaket angekündigt, welches über vier Jahre junge Menschen aufklären soll. Zuständig sind hierbei die Wohltätigkeitsorganisationen GamCare und Young Gamers. Die Industrie streckt hier eine Finanzierung von 10 Millionen Britischer Pfund vor. Dabei sei es das Ziel, jungen Menschen samt ihrer Familien und Arbeitnehmern in Zusammenarbeit ein Bewusstsein und Verständnis für Glücksspiele und deren Risiken entwickeln zu lassen.

Ebenfalls auf der To-Do-Liste steht die Entwicklung eines Verhaltenskodex bezüglich Direkt- und Empfehlungsmarketing. Auch bezüglich des Sponsorings sollen aktuelle Richtlinien überdacht werden. Doch ob die vorgeschlagenen Maßnahmen dem Abgeordneten weit genug gehen, um von seiner Limitierung auf 2 Pfund je Wetteinsatz abzusehen? Woher kommt eigentlich dieses Limit? Tatsächlich gibt es ein konkretes Vorbild, welches ebenfalls in Großbritannien entwickelt wurde. Denn die Einsatzlimits der FOBTs (Fixed Odds Betting Terminals) sind derzeit an eine entsprechende Begrenzung gebunden. Doch in der UK hat sich die Labour Party wohl bereits für eine stärkere Regulierung der Glücksspielbranche ausgesprochen. Ob die Branchenführer den Politikern mit ihren freiwilligen Maßnahmen den Wind aus den Segeln nehmen können ist noch völlig offen.

Kursabfall an der Börse: UK Wettanbieter geben nach

Die Wettanbieter im Vereinigten Königreich sind zum großen Teil an der Börse notiert. Die Ankündigung die Wetteinsätze auf 2 Pfund zu begrenzen, hat die Branche hart getroffen. So sackte der Aktienkurs von William Hill vom Freitag, den 1. November 2019 von 2,39 Euro, auf 2,07 Euro zum darauffolgenden Dienstag ab. Inzwischen ist der Kurs sogar auf unter 2,00 Euro gefallen. Kein Einzelfall. Auch die Wertpapiere von 888 und GVC Holdings, sowie von Playtech und weiteren Unternehmen der Glücksspielbranche sind zunächst mal auf Tauchstation gegangen.

Ob die Talfahrt der Wertpapiere von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Einerseits könnten die Maßnahmen der Buchmacher akzeptiert werden. Dies könnte eine weitere Verschärfung der Regeln zunächst vom Tisch wischen. Bleibt die Labour Party jedoch bei ihrem Konzept, das Online-Glücksspiel weiter zur reglementieren, so könnten die Kurse weiter fallen. Ausgelöst hat die Debatte überhaupt erst eine Glücksspiel-Studie der All-Party Parliamentary Group (APPG).

Wettanbieter im UK planen erweiterten Spielerschutz 1200 1000 2019-11-06 09:58:35 Online-Casino.de

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