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YouTube verbannt Inhalte der Poker-Kanäle von Plattform

Ralf Schneider, 5. Juni 2019, Technik

YouTube und Twitch bei Jüngeren sehr beliebt (Bildquelle)

Evan Jarvis, Jaime Staples und weitere Poker-Spieler, die auf YouTube aktiv sind, wurden von der Plattform ausgesperrt. Allein Staples hat dadurch 134 Videos verloren. Er spricht diesbezüglich auf Twitter von einer „Pocalypse“. Jarvis verweist auf seine zehnjährige Arbeit an dem Videomaterial, welches jetzt verschwunden ist. Für einige Poker Profis, die mit dem Kartenspiel ihren Lebensunterhalt bestreiten, ist es eine harte Abstrafung. Doch laut den YouTube-Richtlinien ist Werbung für Online-Glücksspiele strikt gesehen nicht erlaubt.

Müsste also eher die Frage gestellt werden, warum die Poker-Spieler über einen solch langen Zeitraum dennoch werben durften. Denn freilich sind die Spieler in ihren Clips im entsprechenden Online-Poker-Raum zu sehen, für den sie dann ganz automatisch werben. Bei Staples ist dies sehr deutlich hervorgegangen. Immerhin war er zunächst als Botschafter für die Marke PokerStars aktiv. Später wechselte der Spieler zur Konkurrenz von Partypoker. Dennoch ließe sich bemängeln, dass ebenfalls Inhalte gesperrt worden sind, wo nicht aktiv gespielt wird.

YouTube setzte Glücksspiel-Richtlinie jetzt stringenter durch

Tatsächlich war das Werbeverbot für Glücksspiele längst in den YouTube-Richtlinien verankert. Dass praktisch alle Poker-Spieler, die auf der Plattform beim Spielen zu sehen waren, gleichzeitig betroffen sind, legt ein rigoroseres Vorgehen von YouTube nahe. Dennoch ist die Frage zu stellen, wo die Grenze zu ziehen ist. Diverse Anbieter von Casino-Spielen stellen diese auf der Videoplattform vor. So können wir dort Clips zu diversen Spielautomaten finden. Selbst Lotto Deutschland hinterlässt dort Material zu den Ziehungen. Hier stellt sich folgende Frage: Ab wann gilt die Übertragung als Werbung? Muss hinter dem Inhalt eine konkrete Gewinnabsicht stehen? Oder waren die Poker-Spieler nur die ersten Glücksspiel-YouTuber und andere Kanäle werden in naher Zukunft ebenfalls abgestraft?

Erneut müssen wir jedoch eine ganz andere Betrachtung in den Mittelpunkt rücken. Ist Pokern überhaupt als Glücksspiel zu werten? Hier scheiden sich die Geister. Und auch die Politik der Länder ist sich nicht zwingend einig. Spieler plädieren für eine Einstufung als Geschicklichkeitsspiel. Ihre Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen. Denn beim Pokerspiel kommt es nicht nur auf das Glück an. Die Karten auf der Hand lassen sich nicht beeinflussen. Aber indem das Spiel gelesen oder geblufft wird, lässt sich aktiv Einfluss nehmen. Wie lässt es sich erklären, dass bestimmte Pokerspieler bei großen Turnieren immer wieder gewinnen. So viel Glück kann ein einziger Spieler kaum haben. Also gehört doch Geschick dazu. Aber nicht ausschließlich, wie Gegner der Bewertung von Poker als Geschicklichkeitsspiel gerne anführen. Auch in Deutschland ist nicht vollends klar, wohin die Reise des Kartenspiels geht. Das OVG Lüneburg erklärte kürzlich Poker-Werbung für unrechtmäßig.

Kontroverse im Computerspiel: Bei Red Dead Redemption lassen sich Online-Pokerpartien austragen. Obwohl das Spiel mit den Karten nicht mit echtem Geld ausgetragen wird, haben einige Länder das Computerspiel diesbezüglich eingeschränkt.

Welche Türen stehen den Poker Youtubern jetzt noch offen?

Ist Poker ein Glücksspiel? (Bildquelle)

YouTube sperrt die Pokerinhalte von bekannten Spielern. Da diese seit Jahren damit ihre Existenz bestreiten, braucht es eine Alternative. Denn derzeit scheint es unwahrscheinlich, dass die wohl berühmteste Videoplattform einen Rückzieher macht. Immerhin versucht das Portal lediglich seine eigene Richtlinie mit größerer Schärfe durchzusetzen. Allerdings ist es durchaus so, dass YouTube sich hier den einfachsten Weg ausgewählt hat. Denn immerhin wurden ebenso Inhalte gesperrt, die nicht als direkte Werbung zu identifizieren gewesen sind. Daraus resultiert, dass bei der Prüfung geschlampt wurde. Oder es sollte generell ein Exempel gegen das Online-Glücksspiel auf YouTube durchgeführt werden.

Die Betroffenen sind in erster Linie die Ersteller der gebannten Videos. In zweiter Instanz sind natürlich die Abonnenten und Zuschauer betroffen. Doch diesbezüglich gibt es eine Alternative zu YouTube. Eventuell wandern die Poker-Spieler jetzt zur Konkurrenz Twitch ab. Dort scheint es aktuell keine Richtlinie zu geben, die das Bewerben von Poker-Inhalten verbietet. Dennoch ist es für die ehemaligen Poker-YouTuber erst einmal ein Rückschritt. Immerhin bleiben die Abonnenten verloren. Es gilt sich eine neue Anhängerschaft aufzubauen. Wenngleich einige Zuschauer sicherlich den Wechseln der Plattform zusammen mit den Poker-Spielern vollziehen werden.

Partypoker baut auf Twitch: Einige Pokerseiten haben in der jüngeren Vergangenheit bereits ihr Twitch-Debüt gefeiert. Sollte nur die Reichweite erhöht werden oder gab es Hinweise auf das striktere Durchgreifen von YouTube?

Was besagen die YouTube Richtlinien?

Normalerweise ist das Vorgehen von YouTube folgendermaßen geregelt. Verstößt ein Nutzer gegen die Richtlinien, so findet eine Verwarnung statt. In diesem Fall ist es eine Woche lang verboten, neue Videos hochzuladen. Kommt es innerhalb von 90 Tagen zu einer weiteren Verwarnung, so erhöht sich die Sperre auf zwei Wochen. Mit der dritten Warnung folgt die Sperre des YouTube Kanals. Gegen die Richtlinien verstößt definitiv, wer schädliche, gewaltverherrlichende, sexuelle oder gar gefährliche Inhalte hochlädt. Weiterhin sollen Verstöße gegen das Urheberrecht und Spam abgestraft werden.

Glücksspiel-Werbung ist verboten und verstößt gegen die Richtlinie. Schon 2018 wurden Automatenvideos von Brian Christopher gelöscht. Bedenklich fand der YouTuber damals, dass es keine Chance gegeben hat, mit der Videoplattform in den Dialog zu kommen. Denn er verfügte durchaus über die Zustimmung der Automatenhersteller und Casinos. Allerdings ist sein Kanal inzwischen zurückgekehrt. Bislang darf der YouTuber aktiv bleiben. Ist sein Beispiel zumindest ein Hoffnungsschimmer für die aktuell gesperrten Poker-Kanäle?

In der Kritik: MontanaBlack hat als Spieler des Computerspiels Fortnite für Glücksspiel geworben. Diese Aktion wurde von Fans negativ aufgenommen.

YouTube verbannt Inhalte der Poker-Kanäle von Plattform 1200 1000 2019-06-05 08:48:42 Online-Casino.de

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