Glücksspiel-Regulierung senkt Umsatz von Bet-at-Home um 18,6 Prozent

Christian-WebberChristian Webber
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Glücksspiel-Regulierung in Deutschland / Shutterstock.com

In Deutschland ist die Glücksspiel-Regulierung seit dem Sommer 2021 in Kraft. Inzwischen hat der Buchmacher Bet-at-Home die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2022 vorliegen. Folglich kann ein Vergleich mit demselben Zeitraum im Vorjahr angestellt werden. Das Ergebnis: Der Umsatz fiel um 18,6 Prozent geringer aus. Dafür kann es unterschiedliche Ursachen geben. Allerdings ist es bei einem Umsatzrückgang von 32,8 auf 26,7 Millionen Euro doch ein erheblicher Rückschritt. Daher kann schon davon ausgegangen werden, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag mit seinen Einschränkungen für diese Entwicklung sorgt. Ist die Regulierung damit auf dem richtigen Weg oder öffnen sich so bloß andere Problemzonen?

Da Bet-at-Home eine Aktiengesellschaft ist, lassen sich die Kennzahlen ganz bequem einsehen – wie hier bei Börse.de. Das Unternehmen geht in dieser Pressemitteilung ebenfalls auf den Vorteil ein, den die Regulierung mit sich bringt. Die Rede ist von der Rechtssicherheit. Dennoch ist der Abwärtstrend deutlich. Darüber hinaus traten mit dem 1. Juli 2022 zudem noch Einsatzlimits in Kraft. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit auf ein noch schlechteres Halbjahresergebnis 2023 relativ hoch. Nachfolgend wollen wir Bezug auf die Maßnahmen nehmen, welche den Umsatz von Bet-at-Home im ersten halben Jahr 2022 abgeschwächt haben.

Bet-at-Home schwächelt: Verbot von Casino-Spielen und Sportwetten

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei Bet-at-Home in erster Linie um einen Buchmacher. Dennoch waren dort immer Casino-Spiele anzutreffen. Slots sind dort zwar noch immer zu erreichen. Doch das große Casino-Spiel, wie zum Beispiel die Tisch- oder Live-Spiele, sind aktuell verboten, bzw. nirgends lizenziert. Gerade Roulette und Blackjack waren populäre Titel, die gerne von Bet-at-Home Kunden ausprobiert worden sind. An dieser Stelle ist folgende Frage zu stellen: Ist das Verlangen nach Glücksspiel durch den Wegfall von Tischspielen bei Bet-at-Home zurückgegangen oder befriedigen die Spieler anderswo ihr Bedürfnis? Bislang gibt es keine Netzsperren. Ausländische Operatoren sind durchgängig zu erreichen. Die meisten von ihnen nehmen deutsche Kunden an. Wenngleich es laut deutschen Recht illegal ist, geht noch niemand dagegen vor. Daher ist anzunehmen, dass die ehemaligen Casino-Kunden von Bet-at-Home ihr Glück zu einem großen Teil anderswo versuchen.

Übrigens trifft dieses Phänomen nicht nur auf die Casino-Spiele zu. Vielen Sportwetten-Kunden ist es vermutlich entgangen. Wer immer nur auf Sieg oder Over/Under setzt, der hat die Veränderung im Wettprogramm nicht mitbekommen. Doch diverse Events sind nicht mehr verfügbar. Dazu zählen die Wetten auf E-Sport-Titel. Diese sind bei keinem Anbieter mit deutscher Lizenz mehr zu finden. Ebenso verhält es sich mit Wett-Tipps auf den Amateur-Sport. Dazu zählt auch die Regionalliga im Fußball. Wettmärkte, die stark auf Ereignisse setzen, sind ebenfalls untersagt. Dazu mag der Erhalt einer Karte für einen konkreten Fußballer zählen. Das Problem ist nicht die Einschränkung der Sportwetten. Problematisch wird es an der Stelle, wo andere, leicht zu erreichende Anbieter eine größere Auswahl bieten und dadurch an Popularität gewinnen können.

ideaBet-at-Home Aktie: Marktbeobachter wussten schon länger, dass der Kurs sich nur in eine Richtung entwickeln kann. Stand der Aktienwert am 18. März noch bei 16,56 Euro, so ist dieser zum heutigen Tag (25. August 2022) auf 7,43 Euro abgesackt.

Umständliche Registrierung, Limitierungen und Probleme im Ausland

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Eintrittshürde Registrierung / Shutterstock.com

Weitere Regeln machen es den Online-Wettanbietern schwer. Dazu zählt inzwischen sogar die Registrierung. Denn hier wird nach Daten gefragt, die es oftmals gleich im Anschluss per Verifikation zu bestätigen gilt. Diesen Umstand nehmen einige Kunden nicht in Kauf und melden sich lieber anderswo an. Manchem Expertentipper ist es ein Dorn im Auge, dass er nur bei einem deutschen Anbieter zur gleichen Zeit eingeloggt sein kann. Deshalb entscheiden sich manche Spieler ebenfalls für einen Operator aus dem Ausland. Schlussendlich sind die Limitierungen ein Faktor. Bei den Slots gilt dies sogar für den Einsatz. Generell darf jedoch nur eine Einzahlung von 1.000 Euro im Monat geleistet werden. Dies gilt sogar anbieterübergreifend. Damit sind besonders die Highroller stark eingeschränkt. Diverse Kunden fühlen sich bevormundet. Erneut suchen sich manche lieber einen anderen Anbieter, wo sie die genannten Einschränkungen umgehen können.

Allerdings ist es nicht richtig so zu tun, als würde der gesamte Rückgang beim Umsatz nur auf den deutschen Kernmarkt entfallen. Dies ist sicherlich ein größerer Anteil. Doch hat Bet-at-Home im benannten Zeitraum auch die Glücksspiellizenz in Großbritannien verloren. Außerdem mussten in Österreich Umstrukturierungen vorgenommen werden. Inbegriffen ist ein Stellenabbau am Standort Linz. 45 Personen sollen dort freigestellt werden. Wenngleich die Gründung auf Österreich im Jahr 1999 zurückgeht, so ist der Sitz des Unternehmens aktuell in Düsseldorf zu finden. Deutschland gilt als Kernmarkt für Bet-at-Home. Wenngleich es im Ausland einige, negative Entwicklungen gegeben hat, so schlägt die Regulierung in Deutschland bezüglich des Geschäftsergebnisses am ehesten durch.

calenderVorausschau auf das Geschäftsjahr 2022: Bet-at-Home hat bereits auf das gesamte Jahr vorausgeblickt. Es wird mit einem Brutto-Wett- und Gamingertrag zwischen 50 und 60 Millionen Euro kalkuliert, sowie mit einem EBITDA in einer Spanne von -2 bis -4,5 Millionen Euro. Hier bleibt die Frage inwiefern sich die Weltmeisterschaft im Winter noch positiv auf das Endergebnis auswirkt.

Autor: Christian Webber
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