TrainwrecksTV kritisiert scheinheiliges Twitch und macht eigene Pläne

Sabina-KuglerSabina Kugler
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Twitch Slots

Twitch erlaubt Glücksspiel-Streams nur noch mit Einschränkungen. // Quelle: Shutterstock.com

Twitch bannt partiell Glücksspiel-Streams von seiner Plattform. Weiterhin erlaubt sind Übertragungen aus Online-Casinos, die eine seriöse Lizenz vorweisen. Beispielhaft wird immer wieder eine Konzession aus den Vereinigten Staaten von Amerika angeführt.

Casino-Streamer, wie TrainwrecksTV, setzen in den vergangenen Jahren jedoch vermehrt auf sogenannte Krypto-Casinos. Dabei handelt es sich um virtuelle Spielotheken, wo die Ein- und Auszahlung mit Bitcoin und Co gestattet ist.

Tyler Faraz Niknam, wie Trainwrecks im echten Leben heißt, stößt die Scheinheiligkeit von Twitch sauer auf. Seiner Auffassung nach geht es nämlich gar nicht um den Spielerschutz. Er kritisiert, dass Twitch als Amazon-Tochter direkt profitiert. Denn Amazon bietet exklusiv die Quoten für Football-Wetten auf DraftKings an. Sportwetten sind vom Glücksspiel-Bann ausgenommen. Ein Zufall?

Zumindest steht fest, dass TrainwrecksTV sein lukratives Geschäftsmodell nicht aufgeben wird. Entweder sucht er sich Partner, die im Rahmen der neuen Nutzungsbedingungen von Twitch gestattet sind oder er eröffnet einen eigenen Streaming-Dienst. Damit hat er bereits geliebäugelt.

Über den Twitch-Bann haben wir bereits berichtet.

Hintergründe: Darum ist TrainwrecksTV so versessen auf seine Casino-Streams

Streaming ist seine Einnahmequelle. Online-Casinos sind seine Kunden. Sie beauftragen bei ihm, dass er an den Automaten oder anderen Spielen spielt und so bewusst Werbung macht. In einem gemeinsamen Stream mit Pokelaws ließ Niknam durchblicken, wie viel er mit seiner Partnerschaft mit Stake.com verdient hat.

Die Zahlen sind verblüffend. Denn für gerade einmal 16 Monate Glücksspiel hat der Streamer eine Summe von 360 Millionen US-Dollar verdient. Umgerechnet handelt es sich um eine Summe von 750.000 US-Dollar am Tag. Täglich streamte Trainwrecks fast sieben Stunden. Das ist wirklich mal ein guter Stundensatz.

Statistiken zum letzten Streaming-Jahr von Trainwrecks

Gerundet kam der Streamer in den jüngsten 365 Tagen auf …

  • Im Durchschnitt knapp 30.000 Zuschauer je Übertragung.
  • Knapp 2.500 Stunden Streaming-Zeit in der Kategorie Slots.
  • Ausstrahlungen in einer Länge von über 75,5 Millionen Stunden.

Trainwrecks eigene Doppelmoral sticht heraus

Einerseits wirft Trainwrecks Twitch Doppelmoral vor. Denn sie verbieten Glücksspiel-Streams, machen für Sportwetten eine Ausnahme und der Mutterkonzern Amazon sponsert die Wettquoten auf Draft Kings. Wo er recht hat, hat er recht.

Aber sein eigenes Verhalten strotzt ebenso vor Doppelmoral. Zwar warnt er in seinen Streams vor dem Glücksspiel, weil dort nur Verluste entstehen. Umgekehrt bewirbt er einzelne Spiele und Casinos mit seiner eigenen Begeisterung dafür. Wer im Glashaus sitzt …

Offene Fragen: Wie geht es mit TrainwrecksTV, anderen Streamern und Twitch weiter?

Twitch Kanal

Twitch ändert die Regeln mit Folgen für sich und die Streamer. // Quelle: Shutterstock.com

Am 18. Oktober hat sich die Rechtslage auf Twitch geändert. Seitdem dürfen keine Casino-Streams mit nicht oder zu schwach lizenzierten Anbietern mehr übertragen werden. Daraus ergeben sich Änderungen für die Plattform selber, aber auch für die tätigen Casino-Streamer.

Wie macht TrainwrecksTV weiter?

Dies lässt sich erstmal anhand seiner Zeitplans auf Twitch nachvollziehen. Am 18. Oktober lautete der Titel seines Streams „Last Gambling Stream on Twitch“. Damit verabschiedete er sich gewissermaßen von seinem Publikum, welches ihm nur beim Glücksspiel zusehen wollte.

Schon in der Woche darauf war er jedoch mit einem Stream aktiv, der über 21 Stunden andauern sollte. Die Schlagzeile lautete „Updates on Everything“. Er befasste sich viel mit dem Spiel Counter-Strike: Global Offensive, aber auch mit anderen Games.

Doch kündigte Niknam auf seinem Kanal ebenfalls an, dass er mit dem Glücksspiel weitermacht. Dann aber wohl nicht bei Twitch. Drei Möglichkeiten fallen uns ein.

  1. Er greift auf einen anderen, bestehenden Dienst zurück, wo die Regeln in Bezug auf das Glücksspiel-Streaming weniger streng sind. Dies wäre wohl der einfachste Weg.
  2. Er baut seine Partnerschaft mit Stake.com aus und streamt direkt für das Krypto-Casino. So würden potentielle Spieler direkt ihren Weg dorthin finden.
  3. Er gründet seine eigene Streaming-Plattform. Dann könnte er die Regeln selbst bestimmen. Allerdings ist es die langwierigste Lösung. Über das nötige Kapital verfügt Niknam jedoch.

Wie genau es mit TrainwrecksTV weitergeht, wird wohl erst die Zukunft offenbaren. Doch wir sind uns sicher, dass der populäre Casino-Streamer mit über 2 Millionen Followern auf Twitch Pläne hat.

Wie fahren andere Casino-Streamer fort?

Für deutsche Fans sind hier besonders OrangeMorange und Scurrows von Interesse. Scurrows zeterte anfangs noch herum, als die neuen Regeln erstmals bekannt gemacht wurden. Doch er arrangierte sich schnell. Denn Casino-Streams waren nicht wirklich verboten. Es gab nur Einschränkungen. Schnell startete er seine Übertragungen wieder, wenngleich er zuletzt häufig im Bereich Gaming unterwegs war.

Während diese Zeilen geschrieben werden, streamt OrangeMorange aus einem, nach den Twitch-Richtlinien, erlaubten Casino. Er ist nach wie vor aktiv und hat einen Warnhinweis in der oberen rechten Ecke des Bildschirms angebracht. Dort wird erklärt, dass die Übertragung nur der Unterhaltung dient. Kurz und knapp: Für die Casino-Streamer geht es weiter.

Was bedeutet die Änderung für Twitch?

Twitch lässt sich schwerer auf die Finger schauen. Nach unserer Meinung gab es von außen keinen wirklichen Druck, nur aus der Community heraus. Denn viele Twitch-Zuschauer sind gegen das Glücksspiel auf der Plattform.

Doch da hätte sich der Konzern durchaus taub stellen können. Daher ist an den Gerüchten, Twitch hat den partiellen Glücksspiel-Bann für Mutterkonzern Amazon aus dem Hut gezaubert, vielleicht etwas dran.

Vorerst wird Twitch weiter seine Zuschauer haben – vermutlich auch dauerhaft. Sollten Casino-Streamer jedoch zu einem anderen Portal abwandern, so verliert das soziale Netzwerk an Followern.

Gibt es rechtliche Einschränkungen für Casino-Streamer?

Offiziell muss die Antwort „ja“ lauten. Doch die Rechtslage ist mitunter kompliziert. In Deutschland sind zwar Werbeeinschränkungen verankert. Allerdings haben die großen Streamer sehr häufig einen Wohnsitz außerhalb von Deutschland gemeldet. Natürlich können die Übertragungen dennoch überall auf der Welt gesehen werden.

Darüber hinaus sind die Behörden selber häufig nicht am Puls der Zeit. Twitter, Twitch, TikTok und Co – die Kanäle der Streamer werden kaum überwacht, geschweige denn reguliert.

Quellenangaben:

Autor: Sabina Kugler
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